Translate

16.05.2019

Auf wilden Wegen durch Neuseeland 2 - Kahurangi 1 Rückzug an den Drachenzähnen





Bereits früh am nächsten Morgen bin ich wieder unterwegs. Zunächst folge ich der Straße Richtung Nelson, biege aber schon bald auf eine Nebenstraße ab, die sich nach fünf Kilometern in eine Schotterpiste verwandelt. Ich wandere hier durch flaches, grünes Weideland voller schwarzer Rinder, in denen verstreut einige Farmhäuser stehen. 

                          Durch Farmland Richtung Kahurangi Nationalpark

Nach 11 Kilometern erreiche ich einen kleinen Parkplatz, wo Schilder darauf hinweisen, dass hier der Anatoki Track beginnt. Ab hier beginnt ein recht steiler Aufstieg über zugewachsene Pfade in Buschland, bevor der Wald im Nationalpark beginnt. 
Kahurangi ist mit 4500 qkm der zweitgrößte Nationalpark Neuseelands und wurde erst 1996 gegründet. Zwar erreichen die Berge hier nie die 2000 Meter Marke, aber die Mischung aus tiefen Waldtälern, schroffen Hängen und langen Graten macht diese Landschaft sehr attraktiv zum Wandern.

10.05.2019

Auf wilden Wegen durch Neuseeland 1 - Abel Tasman




Auch wenn ich schon seit Jahrzehnten wandernd durch die Welt ziehe, hatte ich merkwürdigerweise Neuseeland lange nicht wirklich auf dem Schirm. Das hat sich erst geändert, als ich die Bilder und Stories von meinem Freund Bernd gesehen und gehört habe. Bernd ist der bei weitem erfahrenste Wildniswanderer den ich kenne, und wahrscheinlich auch tatsächlich selbst weltweit gesehen, einer der meist gewandertsten Leute. Gegen ihn bin ich eher ein armes Waisenkind, was die Tourenbilanz angeht...
Wir waren ja auch schon zusammen unterwegs, http://geraldtrekkt.blogspot.com/2014/11/durch-das-land-der-namenlosen-berge-1.htmlhttp://geraldtrekkt.blogspot.com/2013/11/patagonien-1-die-hornopiren-traverse-1.html

daher weiß ich, dass wenn er eine Gegend gut findet, sie für mich in der Regel auch ein lohnendes Ziel ist. Und Neuseeland spielt für ihn ganz weit vorne, was gute Trekkingländer angeht!
Kurz gesagt, nachdem mir Bernd den Mund wässrig gemacht hatte, war mir klar, dass auch ich nach Neuseeland muss!
Neuseeland besteht aus zwei Hauptinseln, die etwa gleich groß sind, und insgesamt etwas kleiner als Deutschland. Dagegen beträgt die Bevölkerung nur knapp 5 Mio. Einwohner, im Gegensatz zu 83 Mio bei uns! Na ja, wenn man dann noch berücksichtigt, dass 80 % der Neuseeländer auf der Nordinsel leben, ist schon auf Grund dieser Zahlen klar, dass die Südinsel das bessere Ziel für einen Wildniswanderer darstellt, wobei der Norden des Landes natürlich auch einiges zu bieten hat...
Seit 2011 hat Neuseeland mit dem Te Araroa (TA) auch einen 3000 Kilometer langen Fernwanderweg, der über beide Hauptinseln führt, daher liegt es scheinbar nahe, diesen für die Erkundung der Südinsel zu nutzen. 
Allerdings macht schon ein Blick auf die Karte klar, dass der TA oft ausserhalb der Berge verläuft, und daher über weite Strecken nicht die attraktivste Route darstellt. Daher war bald mein Entschluss gefasst, auf  einer eigenen Linie aus verschiedenen Trails und auch weglosen Abschnitten, die Südinsel im Norden startend zu erwandern. Bei der Planung stellte es sich aber schon bald als klar heraus, dass drei Monate auf einer anspruchsvollen Route nicht ausreichen, um die ganze Insel zu durchqueren. Egal, ich würde eben so weit laufen, wie ich komme, und in einem anderen Jahr die Durchquerung fortsetzen...

03.05.2019

Auf dem West Coast Trail



Da meine Tochter Marie für ein Semester auf Vancouver Island studiert, liegt es nahe, zum Abschluss meiner Kanadareise den berühmten West Coast Trail zu laufen. 
Allerdings ist dieser stark reguliert, und es werden lediglich 75 Starterlaubnisse pro Tag vergeben, die man online reservieren muss. Da diese "Slots" oft schon auf Monate hinaus ausgebucht sind, schien es zunächst, als ob ich keine Chance hätte, den Trail zu wandern. Aber als ich von unterwegs wieder einmal checke, ob nicht doch ein Platz frei geworden ist, werde ich fündig und reserviere umgehend!

25.04.2019

Durch die kanadischen Rocky Mountains 7 Sasketchwan River-Jasper 2





Ich bin am nächsten Morgen noch nicht lange unterwegs, als das Tal des Brazeau River Oberlaufs unter mir abfällt. Während ich kurz innehalte um die Aussicht über das Tal zu geniessen, höre ich hinter mir Frauenstimmen und sehe dann auch bald zwei Wanderinnen mit offensichtlich sehr leichtem Gepäck raschen Schrittes auf mich zu laufen.

12.04.2019

Durch die kanadischen Rocky Mountains 6 Sasketchwan River-Jasper 1




Vom Sasketchwan River trampe ich aus den Bergen nach Rocky Mountain House, wo ich mich für die nächsten 15 Tage neu verpflege. Bevor ich dann wieder zu meiner eher kargen Trailkost zurückkehre, gönne ich mir noch ein typisch kanadisches Frühstück  mit Eiern, Bratkartoffeln, etc. für etwas mehr als 5 Euro!
Frisch gestärkt laufe ich aus dem nicht sehr schönen Ort und habe bald meinen ersten lift nach Nordegg gefunden.
Ich stehe nur wenige Minuten, als ein großer Pick- up hält. Bald stellt sich heraus, dass die beiden Insasssen Gary und Harlan Sioux Indianer sind. Nun sind die Sioux einer der berühmtesten Indianerstämme Amerikas, die in der Schlacht am Little Bighorn in Wyoming den Weißen die größte Niederlage beigebracht hatten. Ich weiß, dass ihr Häuptling Sitting Bull sich danach mit seinen Leuten nach Kanada zurück gezogen hatte, aber Gary und Harlan erzählen, dass ihr Teil des Stammes schon früher nach Kanada gezogen sei. Das Sasketchwan Tal mit den Kootenay Plains ist im Winter häufig schneefrei, wenn die Landschaft ringsum unter einer meterhohen weißen Last verschwindet, daher war das Tal ein Wilddorado, was die Sioux anzog. Offenbar konnten die hier zuvor ansässigen Kootenay sich nicht gegen die kriegerischen Sioux behaupten...
Die beiden Indianer trinken schon am frühen Morgen Bier, was mich nicht weiter stört, da es auf dem Highway 11 kaum Verkehr gibt...
Irgendwann bemerken sie, dass sie vergessen hatten, in Nordegg zu tanken, obwohl sie bereits bezahlt hatten! Kein Problem, wir fahren ein Stück zurück und der Tank wird voll gemacht!
Wir bringen Gary zu dem Reservat, wo etwa 250 Sioux leben und teilweise Pferde züchten. Harlan ist eigentlich LkW-Fahrer, hat jetzt aber einen Monat frei und nichts Besonderes vor, daher beschließt er netterweise spontan, mich zum Trailhead am Owen Creek zu bringen, wo ich meine Wanderung fortsetzen will.
Mein Fahrer erzählt, dass sein Großvater kein englisch gelernt hatte, da seine Familie zu weit im Busch lebte und er nie zur Schule gegangen war. Dafür gab er aber einiges an traditionellem Wissen an seinen Enkel weiter, unter anderem auch das Rezept für eine "Medizin". Eine Mixtur, die offenbar halluzinogene Wirkung hat, und es einem erlaubt, den eigenen Körper zu verlassen. Laut Harlan gut, wenn man Probleme hat...
Obwohl weder er noch sein Bruder so aussehen als würden sie sich noch viel in der Natur bewegen, kennen sie die Gegend von früheren Reitausflügen sehr gut. Dabei ging es meist zum Fischen oder Jagen. 
Eine eindrucksvolle Begegnung!
Zum Abschied möchte Harlan sich einmal meinen Rucksack aufsetzen...

Der Sioux Indianer Harlan

05.04.2019

Durch die kanadischen Rocky Mountains 5 Banff- Sasketchwan River



Auf dem nächsten Abschnitt nutze ich den Great Divide Trail überhaupt nicht und laufe statt dessen eine Route durch den Banff Nationalpark und die Siffleur Wilderness Area.
Kaum bin ich von der am Bow Valley Parkway gelegenen Fireside Picknick Area losgelaufen, sehe ich auch schon einen braun gefärbten Schwarzbären unmittelbar vor mir über den Weg laufen. Hier im tief gelegenen Bow Valley sind bereits die ersten Buffaloberries reif, daher ist es kein Wunder, dass ich den Bären antreffe. Etwas später sehe ich ihn ein weiteres Mal, es scheint, als ob auch er den Trail nutzt...

29.03.2019

Durch die kanadischen Rocky Mountains 4 Boulton Creek- Banff



Als ich am nächsten Morgen einen Parkplatz am Upper Kananaskis Lake erreiche, könnte ich fast denken, dass es mich nach Nepal verschlagen hat, da es hier einen Rundweg zum Gedenken an die kanadische Expedition zum Mount Everest im Jahr 1982 gibt!
Der See, dessen Uferlinie ich auf einem schönen Pfad für einige Kilometer folge, ist einfach fantastisch mit seinem stillen blauen Wasser vor der Kulisse majestätisch aufragender Berge und gleißender Gletscher.

                                                        Upper Kananaskis Lake