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17.02.2015

Durch das Land der namenlosen Berge 13 - Auf aussichtsreichen Kämmen

Da wir wahrscheinlich den ganzen Tag nicht in ein Tal absteigen werden und nicht wieder unter Durst leiden möchten, gehe ich vor unserem Aufbruch zunächst zum Bach und fülle unsere Wasservorräte auf. Zu dieser frühen Stunde sind bereits viele Leute unterwegs, da die Heuernte an den steilen Hängen im vollen Gang ist. Das mit der Sichel geschnittene Gras wird mühevoll auf dem Rücken festgebunden und zum Dorf transportiert.


                                                      Auch an steilen Hängen wird Heu geerntet


Erstaunlicherweise sprechen einige Leute hier, abseits der Touristenpfade, sogar etwas englisch. Zwar versuchen wir zu erklären, warum wir hier sind, stoßen dabei aber nur auf großes Unverständnis. Das Konzept zum Spass durch die Berge zu laufen ist hier eher unbekannt. Abgesehen davon, wundern sich die Leute, dass wir nur zu zweit sind, da Nepalesen es generell lieben, in größeren Gruppen unterwegs zu sein.

                                                                      Aul Barai

Der Pfad auf den wir bald stoßen, führt uns noch einmal zurück zum Bach oberhalb von Aul Barai. Natürlich trinken wir uns hier noch einmal satt. Allerdings ist mir die Situation etwas peinlich, da eine junge Frau gerade dabei ist, sich zu waschen. Dabei lässt sie zwar ihr Wickelkleid an, aber dennoch sehen wir zu, rasch weiter zu gehen.
Obwohl die Dörfer alle einen sehr ursprünglichen Eindruck machen, gibt es doch fast überall gebohrte Brunnnen, aus denen sauberes Trinkwasser gewonnen werden kann.
In Dorfnähe gibt es noch einige Felder und wir treffen Menschen die Ziegen und Kühe zur Weide führen, bald danach sind wir aber wieder allein.
Überall an den Hängen können wir ein Netzwerk von Pfaden erkennen, die meist zu hochgelegenen Almen führen.
Blühende Blumen, taumelnde Schmetterlinge und weghuschende Eidechsen lassen das Gefühl aufkommen, noch im Bergsommer zu sein. Allerdings scheint alles Vieh bereits in den tieferen Lagen zu sein.

                          Zahlreiche Pfade erschließen die Almregionen

Schon über weite Distanz können wir den weiteren Wegeverlauf erkennen. Der Pfad ist erstaunlich gut, manchmal verläuft er sogar über Steinplatten als Stufen. Zwar müssen wir viel auf- und absteigen aber im Großen und Ganzen führt uns der Weg stetig weiter nach oben. Je höher wir gelangen um so fantastischer werden die Aussichten in die umliegende Bergwelt.


                                         Der Kammpfad bietet spektakuläre Aussichten

Wir gelangen auf den Rücken, den wir gestern verlassen hatten um Wasser zu finden und laufen dann für einige Kilometer über einen fantastischen Pfad, der dem Bergkamm folgt. Obwohl der Weg sehr gut zu erkennen ist, treffen wir keinen anderen Menschen und können die Stille dieses sonnigen Herbsttages für uns genießen.





                                                Ein herrlicher Pfad


                                   Rhododendron an der Baumgrenze


                                         Unsere Route auf dem aussichtsreichen Kamm

Am Liebsten würde ich hier oben ein Lager aufschlagen, allerdings finden wir, bis auf eine schmutzige Pfütze, kein Wasser. Zwar haben wir noch genug in unseren Wassersäcken, aber Bernd möchte ein trockenes Lager vermeiden, daher steigen wir weiter auf. Leider werde ich heute von einigen Durchfallattacken geplagt, vielleicht war eine der Dhal Bat Küchen doch nicht so sauber…
Erst gegen 16 Uhr erreichen wir mit den letzten Sonnenstrahlen einen Pass auf etwa 4200 Meter. Wir können uns an der Bergwelt rundherum gar nicht satt sehen. Sogar der Dhaulagiri ist in der Ferne noch zu erkennen. Überall sehen wir Pfade an den Hängen und Kämmen. Wie faszinierend wäre es, all diese Wege zu erkunden...


                           Auf 4200 Meter in der Nachmittagssonne

Ein Bartgeier streicht immer wieder dicht über unsere Köpfe hinweg, so dass es mir schließlich gelingt ihn zu fotografieren.

                                   Ein Bartgeier über dem Pass


So bald die Sonne verschwunden ist, wird es kalt und ungemütlich. Zu dem streicht ein frischer Wind über den Pass. Hier zu zelten wäre ein eher gemischtes Vergnügen, glücklicherweise finden wir ein Stück unterhalb eine steinerne Almhütte, in der wir unser Nachtquartier aufschlagen. Auch Bernd reizt es hier oben zu lagern, daher nehmen wir in Kauf, mit dem Wasser haushalten zu müssen.

                                Unser Nachtlager in der Hütte

Bevor ich mich dann aber auch zum Kochen in die Hütte zurück ziehe, fotografiere ich noch die Berge im Abendlicht. Leider präsentiert sich kein farbenprächtiger Sonnenuntergang.



                                                       Abendliche Aussichten

Heute Abend gibt es noch ein mal einen kulinarischen Höhepunkt: Meine letzte Portion Käsespätzle! Alle fünf Tage gönne ich mir zur Abwechslung von Nudeln und Kartoffelbrei so ein Fertiggericht. Wir haben übrigens auch die Methode des Kochens zu zweit optimiert, da wir uns ja meinen Gasbrenner teilen. Zunächst bringt einer das Wasser zum Siedepunkt, danach wird das Gericht in die kochende Flüssigkeit gegeben und der Topf von der Flamme genommen. Anschließend kocht der Andere sein Wasser. Nachdem das Anfangsgericht durch das Ziehen lassen fast gar ist, muss es dann nur noch kurz auf die Flamme gestellt werden. Wir denken, dass das tatsächlich die Brennstoff effizienteste Methode ist.
In der Nacht friert es und ich mache mich zum Sonnenaufgang alleine wieder auf den Weg, während Bernd es etwas gemütlicher angehen will. Bald stoße ich wieder auf die eigentliche Route des GHT am Pass Margor Lek Bhanjyang. Zunächst laufe ich noch über die alpinen Matten, tauche dann aber schon bald in die Bergwälder aus Tannen, Eiben und Birken ein.



                                             Herbstfarben im Bergwald

Während ich in der Sonne auf Bernd warte, erhalte ich Besuch von zwei Frauen, die mich voll Neugier bestaunen. Während die eine eine große Last an Farnkraut als Viehfutter trägt, ist die andere mit der täglichen Menge an Brennholz bepackt. Wie alle Frauen hier, tragen die Beiden große Ringe in der Nase.


                                                             Schwer bepackt

Schließlich erscheint auch Bernd. Bevor der Pfad in die besiedelten, offenen Gegenden eintaucht, genießen wir noch einmal Blicke zurück in die üppigen Bergwälder.

                                                Üppige Bergwälder

Als wir das Dorf Durpa durchwandern, heftet sich ein Haufen frecher Kinder an unsere Fersen. Das die Kleinen an uns ihre rudimentären Englischkenntnisse erproben wollen ist ja o.k, aber als ein Junge damit beginnt Steine nach uns zu werfen, hört der Spass auf: Abrupt drehe ich mich um und renne mit lautem Gebrüll auf die Kinder zu, was ihnen einen gehörigen Schreck und uns Ruhe verschafft…
Wir wandern jetzt durch eine trockene Landschaft hoch über dem Karnalital. In der Ferne erkennen wir bereits den Ort Simikot auf einem Plateau hoch über dem Fluss.



Endspurt nach Simikot

Irgendwann steigen wir in der Hitze endlos lang zur Mündung des Lurupya Khola in den Karnali ab. An der Brücke stehen einige Häuser und mit einiger Mühe schaffen wir es, den Leuten begreiflich zu machen, dass wir gerne Dhal Bat hätten. 
Obwohl eine ziemliche Hitze herrscht, ist es mir beim Essen kalt und ich fühle mich elend und schwach. Offenbar hat es der Erreger meines Durchfalls geschafft mich richtig krank zu machen. Es hilft aber nichts, wir wollen unbedingt heute noch nach Simikot, daher bleibt mir nichts anderes übrig als mich die knapp 1000 Höhenmeter empor zu kämpfen. Am späten Nachmittag haben wir das zwar tatsächlich geschafft, aber der Weg war für mich eine einzige Tortur. War ich sonst bei den Anstiegen immer vorne, schleppe ich mich heute in weitem Abstand hinter Bernd her…
Natürlich werde ich auch unterwegs nicht von flüssigen Durchfallattacken verschont…
Simikot ist die Distrikthauptstadt von Humla, wirkt aber eher dörflich.

                                                           Simikot im Abendlicht

Immerhin gibt es eine ganze Reihe von Läden und einige Hotels. Wir treffen einen sehr gut englisch sprechenden Touristenführer, der anbietet uns zu dem gerade neu eröffneten Hotel eines Freundes zu bringen.
Das Hotel Mt. Kailash, des  tibetischstämmigen Rinjin Lama macht einen soliden, sehr guten Eindruck. Wir werden von der Familie freundlich aufgenommen, und bekommen sogar ein Zimmer mit Dusche und Toilette. Bei meinen Problemen nicht ganz unwichtig...

               Das neu erbaute Hotel/ Homestay von Rinjin Lama                 

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