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22.01.2024

Great Divide Trail 7 Jasper- McBride

 


7 Tage, 169 Kilometer, 4538 Höhenmeter

Auf dieser Etappe wird der Great Divide Trail deutlich schwieriger. Wir müssen uns durch ziemlich zugewachsene Abschnitte kämpfen, durchwaten reißende Gletscherflüsse, erleben dann aber auch die bisher wohl schönste Landschaft auf dem GDT in der Nähe von Mount Robson, dem höchsten Berg der kanadischen Rocky Mountains. 



Meine Wanderung durch die kanadischen Rocky Mountains im Jahr 2018 endete in Jasper, daher bin ich auf die letzten beiden Etappen des Great Divide Trails sehr gespannt.

In Jasper sind alle Unterkünfte teuer und wir haben keine Lust auf einem riesigen Campingplatz neben Wohnwagen zu stehen, daher wandern wir am späten Nachmittag, nach dem wir unsere Besorgungen erledigt haben, aus dem Ort hinaus. Eigentlich wollen wir schon bald unser Lager aufschlagen, aber überall sind Pfade und Mountainbiketrails, daher laufen wir noch ein Stückchen, bis wir auf einem Hügelkamm ein Plätzchen finden. Hier wurde der Wald kahlgeschlagen, offenbar um Jasper vor Waldbränden zu schützen. Auf lediglich 1050 Meter Höhe ist es ziemlich mild, daher bleiben wir draußen sitzen, bis der fast volle Mond um 21:30 aufgeht. 


Wir schlagen unser Lager hinter Jasper auf einem Kahlschlag auf

Schon um 5:50 sind wir am nächsten Morgen bald wieder auf dem Pfad, der uns durch dichten, unterwuchsreichen Wald mit vielen toten Bäumen am Marjorie Lake vorbei zum Caledonia Lake führt. Hier legen wir erst einmal eine Pause ein, und kochen heiße Schokolade und Cappucino auf unserem neu gefundenen Kocher. Als ich ein markantes Klatschen auf dem See höre, halte ich Ausschau und entdecke einen Biber, der das Geräusch mit seinem kellenförmigen Schwanz verursacht hat. Er frisst an Wasserpflanzen, verstaut einiges Grün in seinem Maul und schwimmt dann irgendwann zu seiner mächtigen Burg aus aufgeschichteten Zweigen am anderen Ende des Sees. Ein schönes Erlebnis, passend zu der ruhigen Stimmung frühmorgens am Caledonia Lake. 

Ein Biber am Caledonia Lake

Biberburg

Der GDT verläuft hier eigentlich an der Straße, da wir aber keine Lust darauf haben am Highway zu laufen, folgen wir einer eigenen Route. Für 2-3 Kilometer müssen wir allerdings querwaldein laufen. Was sich nach keiner großen Distanz anhört, kann sich ganz schön ziehen. So müssen wir uns stellenweise durch dichtes Unterholz in den Tälern kämpfen, über umgefallene Bäume steigen und an einer moosigen Felswand hochklettern. Dafür ist das Wandern auf felsigen Rücken deutlich leichter. In den sumpfigen Bereichen wimmelt es von Mücken, dafür werden wir mit Blau- und Himbeeren belohnt. Wir benötigen drei Stunden für den weglosen Abschnitt, gelangen aber schließlich wieder auf einen Weg und erreichen um 14 Uhr den breiten Yellowhead Highway, dem wir noch einige Kilometer folgen. Die Straße ist ätzend und ziemlich verkehrsreich, immerhin gibt es einen breiten Seitenstreifen. Als ein Gewitter aufzieht, verziehen wir uns abseits der Straße ins Zelt, es regnet dann aber nur wenige Tropfen. Schließlich verlassen wir den Highway, überqueren den Miette River über eine Brücke und folgen dann noch ein Stück einem Fahrweg, bis wir in einem alten Fichtenwald unser Lager aufschlagen. Die Mückenplage ist hier so schlimm, dass wir sogar im Zelt essen, obwohl es wieder warm und schön ist…


2-3 Kilometer weglos...


Fruchtstand des Devil's Club



Wir klettern eine moosige Felswand hoch

Am nächsten Morgen folgen wir noch ein Stück dem Fahrweg und biegen dann auf einen Pfad ab, der durch den Wald nach oben führt. Der Weg ist ziemlich zugewachsen, aber meist noch recht gut zu begehen. Stellenweise wurden Baumstämme die über dem Weg lagen, durchgeschnitten. Vielerorts wachsen Massen von dicken, süßen Blaubeeren. Ein Genuss! Auch hier sind viele Kiefern abgestorben, weiter oben gelangen wir aber überwiegend durch alte, schattige Fichtenwälder. Schließlich geht es in eine sehr trockene Gegend, wo überwiegend dichte Polster von Flechten auf dem kargen Boden wachsen. Der Oberlauf des Miette River wird dann von ausgedehnten, offenen Moorflächen geprägt, in denen der Wegverlauf nicht mehr zu erkennen ist. Ab und zu sehen wir ein Markierungsband, meist folgen wir aber dem Kurs unseres Handy- GPS. Einmal müssen wir den Miette durchwaten, der hier aber nur noch ein kleiner Bach ist. Schließlich schlagen wir an einem offenen, trockenen Plätzchen unser Lager auf. Es ist düster und später regnet und gewittert es, aber wir sind gut geschützt im Zelt und hören uns Podcasts an. 


Der Pfad ist ziemlich zugewachsen, aber noch gut zu begehen


Wir laben uns an Blaubeeren


Durch die offenen Moore am Oberlauf des Miette River

In der Nacht hat es aufgeklart und gegen Morgen friert es. Als wir aufbrechen ist es noch ziemlich kalt und die Weiden sind klatschnass, das ergibt jedes Mal eine kleine Dusche, wenn wir Zweige streifen. Ein Pfad führt uns zum 2000 Meter hohen Miette Pass, wo wir den Jasper Nationalpark erst mal verlassen, und in den Mount Robson Provincial Park gelangen. Hier verliert sich der Weg, was aber nicht schlimm ist, da wir in dem offenen, subalpinen Terrain voller grüner Wiesen, gut vorankommen. Als es dann wieder in den Wald geht, stoßen wir glücklicherweise wieder auf den Pfad, da die sehr dicht mit Unterwuchs bestandenen Nadelwaldflächen, wie wir ja schon gesehen haben, weglos nur mühsam zu durchqueren sind. 

Wir überqueren Grant Pass und Colonel Pass und steigen entlang des Colonel Creek in tiefere Bereiche. 


Früher Morgen am Oberlauf des Miette River


Fantastisch grüne Hochplateaus


Auch in Kanada wachsen Weidenröschen


Es geht erst Mal zurück in den Wald

Bleiben die Füße trocken?


Wir überqueren heute drei Pässe

Schließlich gelangen wir in ein altes Waldbrandgebiet. Zwar wurden hier in der Vergangenheit schon viele der umgestürzten Baumleichen die den Pfad versperren, durchgeschnitten. Es sind aber noch viele Hindernisse übrig, die wir kriechend und kletternd überwinden müssen, alles sehr langsam und anstrengend. Irgendwann erreichen wir auf lediglich noch 1450 Meter Höhe den etwa 20 Meter breiten, türkisen Moose River. Obwohl es hier noch einige grüne Waldinseln gibt, setzt sich die riesige alte Brandfläche weiter fort. Die vielen umgestürzten Stämme haben aber den angenehmen Nebeneffekt, dass sie uns erlauben, über einen reissenden Gletscherbach zu balancieren, bevor er in den Moose River einmündet. Es wird später und später, aber nirgendwo finden wir einen geeigneten Zeltplatz, da überall tote Bäume liegen. Schließlich werden wir dann aber doch auf einer trockenen Uferterrasse direkt am Moose River fündig.

Mühsames Vorankommen im alten Waldbrandgebiet

Die vielen umgestürzten Stämme haben auch etwas Gutes...

Moose River


Endlich ein Lagerplatz ohne tote Bäume!

Am Morgen ist es wieder ziemlich kalt, so dass wir in Mütze und Handschuhen loslaufen. Über Nacht ist der Wasserstand des Flusses deutlich gefallen, was typisch für Gewässer ist, die Gletschern entstammen. Durch die Schmelzprozesse erreichen solche Bäche über Tag ihren Höchststand, der während der Nacht wieder fällt. Es ist für uns jetzt kein Problem den Moose River barfuß zu durchwaten. Da wir den Fluss aber auch danach noch einige Male queren müssen, lassen wir die Schuhe dann aber jeweils an…

Wir folgen dem breiten Tal teilweise durch offene Bereiche, aber auch durch dichten Wald und Weidendickichte. Es gibt hier zahlreiche Elchfährten, aber leider gelingt es uns nicht, einen der großen Hirsche zu sehen. Unsere Mittagspause halten wir dann in der Sonne in einem alten Pferdecamp. In der Vergangenheit waren offenbar Ausflüge zu Pferd in diese Gegend ziemlich beliebt. Diese Aktivität scheint aber völlig zum Erliegen gekommen zu sein. Obwohl es jetzt schon Anfang August ist, sehen wir nirgendwo mehr frische Pferdespuren. Die kommerziellen Veranstalter von solchen Touren haben darauf geachtet, dass die Wege frei sind, was auch Wanderern das Leben deutlich erleichtert hat. 

Nach der Pause geht es steiler aufwärts durch eindrucksvollen Fichtenwald, eine Baum hat wohl mehr als 1,50 Meter Durchmesser! Unser Vorankommen wird durch die vielen Blaubeeren deutlich verlangsamt. Vor allem Anke ist eine genießerische Naschkatze!

Als wir in offene Bereiche gelangen und ich einen Gletschersee unter uns fotografieren will, tauchen zwei halbwüchsige Grizzlys etwa 80 Meter entfernt aus dem Dickicht auf. Der eine hat die normale braune Farbe, sein Begleiter ist dagegen sehr hell, fast wie ein Eisbär!

Leider sind die Zwei schon verschwunden, bevor ich ein Foto machen kann. Hinter dem 2050 Meter hohen Moose Pass sind wir zurück im Jasper Nationalpark und  gelangen in eine schöne, alpine Landschaft. Leider verschlechtert sich das Wetter und es beginnt leicht zu regnen. Nach einem steilen Abstieg gelangen wir an ein weiteres Pferdecamp am Calumet Creek, eigentlich ein guter Lagerplatz. Aber Anke will noch weiter, womit ich einverstanden bin. Als der Regen dann aber richtig unangenehm wird, und vor allem der Weidenbewuchs triefend nass ist, ärgere ich mich über diese Entscheidung, zu Mal nirgendwo mehr ein Zeltplatz in Sicht ist, und wir zunehmend nasser werden. Erst als wir dann die Schotterebene des Smoky River erreichen, können wir endlich unser Lager aufbauen. Zu unserer Überraschung treffen wir hier jemanden: Mike aus Ontario ist im letzten Jahr den GDT von Waterton nach Jasper gelaufen und will in diesem Sommer das restliche Stück mit seiner Freundin erwandern. Die Beiden haben ganz in der Nähe ihr Zelt aufgeschlagen und hoffen darauf, dass sie den Smoky am Morgen überqueren können. 


Wir folgen dem Moose River


Trocknungspause in altem Pferdecamp


Die Raupen fressen die Weiden kahl


Am Moose Pass


Wir schlagen unser Lager im Regen am Smoky River auf

Am Morgen ist es noch feucht und neblig, aber wir machen uns sofort an die Durchwatung des Flusses, vor dem wir ziemlichen Respekt haben. Schließlich kann man bei Gletscherflüssen, die oft vom Sediment sehr trüb sind, meist nicht erkennen, wie tief sie sind. Aber der Smoky ist jetzt nicht mal knietief, so dass wir ohne Probleme auf die andere Seite gelangen. Der Weg führt wieder in den Wald, meist gut erkennbar, aber stark von Weiden und Zwergbirken überwachsen, daher ist das Wandern jetzt ein ziemlich nasses Vergnügen. Ein reißender Nebenbach wird von einer Brücke überquert. Diese hängt allerdings ziemlich schräg und macht keinen Vertrauen erweckenden Eindruck mehr. Glücklicherweise ist sie trotz der Nässe nicht rutschig und hält uns. Der Bach fließt hier durch eine kleine Schlucht, daher müsste man einen längeren Umweg gehen, wenn man die Brücke nicht benützt. Welcher Wanderer macht das? Wir sind hier auf dem North Boundary Trail im Jasper Nationalpark. Wie wir wissen, will der Nationalpark den Weg nicht mehr unterhalten und hat daher sogar kleinere Brücken aktiv abgebaut. Warum diese Brücke, die irgendwann sicher einstürzen wird, und schon jetzt ziemlich gefährlich ist, in diesem Zustand stehen gelassen wurde, ist ein Rätsel. 


Die Durchquerung des Smoky Rivers am frühen Morgen ist kein Problem

Smoky River

Irgendwann wird sie einstürzen...

Als die Sonne raus kommt, legen wir erst einmal eine ausgedehnte Kaffeepause ein, während der wir unsere Sachen ausbreiten und so tatsächlich weitgehend trocknen können. Als wir nach einer Stunde weiterlaufen, ist es bereits viel trockener, und wir erhalten schöne Ausblicke über den Smoky River. Der Fluss fließt von hier nach Grande Cache, auf der Ostseite der Rocky Mountains. Ob man die Strecke wohl mit dem Packraft zurücklegen könnte? Hier sieht der Fluss jedenfalls gut dafür aus. 


Die Sonne kommt


Wir machen eine Kaffeepause und trocknen dabei unsere Sachen

Über dem Smoky River

Obwohl wir den ganzem Tag dem Fluss folgen, ist die Strecke sehr abwechslungsreich. Mal geht es durch hohen, dichten, dunklen Fichtenwald mit dicken Baumstämmen, mal zwängen wir uns durch zugewachsene Weidendickichte, was jetzt, wo es trocken ist, aber uns viel angenehmer erscheint. Immer wieder erhalten wir Aussichten über den Fluss und gelangen auch kurz auf die offene Schotterebene, wo sich der Fluss verbreitert. Meist ist die Wegführung ziemlich flach und der Wald streckenweise moosig und trocken. Immer wieder müssen wir reissende  Nebenbäche durchqueren, meist in dem wir sie mit Schuhen durchwaten. Einmal balancieren wir aber auch über einen schmalen Baumstamm. Wir sehen einige Male Waldhühner, darunter auch eine Henne mit süßen Küken. Ein Stachelschwein klettert auf einen Baum um sich vor uns in Sicherheit zu bringen und hinter der Fensterverkleidung einer neuen Blockhütte entdecken wir eine kleine Fledermaus. 


Wenn es trocken ist, machen uns die Dickichte nichts aus


Selten gelangen wir in die offene Flußebene






Meist führt der Pfad recht flach durch den Wald


Seht ihr das Küken?


Süüüüß!




Wir überqueren einen niedrigen Pass im Wald und gelangen an den Chown Creek, einen Gletscherfluss, der in den Smoky mündet. Es ist noch recht früh und der Bach verästelt sich hier in viele Arme, daher beschließen wir zu versuchen ihn zu überqueren. Tatsächlich sind die ersten Wasserläufe zwar flott, aber machbar. Der letzte Arm vor dem Erreichen der anderen Seite entpuppt sich dann aber als der Größte. Es erscheint zwar nicht völlig unmöglich ihn zu durchwaten, aber da wir kein Risiko eingehen wollen, beschließen wir uns zurückzuziehen und schlagen in der weiten Flußebene unser Lager auf. Später erscheinen dann auch Mike und seine Freundin Melissa, die in einiger Entfernung von uns zelten und ebenfalls erst am Morgen die Durchquerung angehen wollen. 


Niedriger Waldpass



Chown Creek

Traumhaftes Lager am Chown Creek

Am nächsten Tag ist es zunächst ziemlich kühl, so dass wir in Daunenjacken starten. Wie wir angenommen hatten, ist der Wasserstand über Nacht erheblich zurück gegangen, daher ist die Durchquerung des Chown Creek jetzt kein Problem mehr. Nichts desto Trotz ist das Wasser natürlich eiskalt, und am anderen Ufer angekommen, schmerzen uns die Füße!

Wir folgen der offenen Überschwemmungsebene dann noch einige Zeit weiter und müssen noch einige Male Nebenarme durchwaten. Als die Sonne den Talboden erreicht, legen wir unsere Kaffeepause ein, und lassen Socken und Füße trocknen. 


Bevor die Sonne erscheint, ist es ziemlich frisch




Kaffeepause

Schließlich verlassen wir Chown Creek und steigen oberhalb von Bess Creek teilweise ziemlich steil aufwärts durch den Wald. Stellenweise führt der Pfad durch übermannshohe Weidentunnel. Glücklicherweise ist es jetzt trocken!

Schließlich gelangen wir in die subalpine Zone und halten schon um 10:30 unsere Mittagsrast, da Wolken aufzukommen scheinen. An etlichen Stellen sehen wir die Grabestellen von Bären und ein Steinadler streicht dicht an uns vorbei. Hinter dem etwa 2000 Meter hohen Bess Pass verlassen wir den Jasper Nationalpark dann endgültig. Auf deutlichem Pfad geht es wieder in den Wald, wo wir auf einer offenen Fläche ein grünes Plastikklo ohne jeden Schutz entdecken. Das gehört bestimmt zu einem Pferdelager in der Nähe. Aber um die Toilette so offen aufzubauen, braucht es schon eine gewisse Abgestumpftheit oder einen schrägen Humor…

Kurze Zeit suchen wir den Weg und folgen dann von 1740 Meter Höhe dem Pfad weiter aufwärts zum Jackpine Pass auf etwa 2000 Meter. Vorher bewundern wir aber einen mächtigen Wasserfall der aus einem Gletscher stürzt. Die Aussicht vom Pass ist herrlich, wir können jetzt auch Mount Robson ausmachen, mit 3954 Metern der höchste Berg der kanadischen Rocky Mountains. 


Hohe Weidendickichte


Von dort sind wir gekommen


Der Wasserfall kommt aus einem Gletscher


Interessanter Platz für ein stilles Örtchen...


Aufstieg zum Jackpine Pass


Unsere Aufstiegsroute


Jackpine Pass

Vom Pass steigen wir auf einem Pfad weiter aufwärts, wobei die Aussichten immer schöner werden, egal ob zum majestätischen Mt. Robson Massiv, oder zur Steilwand von Barricade Mountain. Schließlich verliert sich der Pfad und wir wandern weglos durch eine herrlich grüne, sanft gewellte Tundralandschaft. Manchmal stoßen wir auf einen Cairn, meistens laufen wir aber in die Richtung, die unser Handy GPS vorgibt. Wir beobachten zwei Schneehuhnküken, hören das Pfeifen der Murmeltiere und ich erspähe sogar entfernt einen Vielfrass, der im typischen, hüpfenden Mardergang rasch verschwindet. Anke hatte schon einmal das Glück in Skandinavien einen Vielfraß zu beobachten, aber für mich ist das das allererste Mal, dementsprechend bin ich ich sehr erfreut über diese so kurze Begegnung. Es gibt hier zahllose Seen, die nicht in der Karte eingezeichnet ist, und obwohl das für mich der schönste Abschnitt des GDT ist, sind wir heute noch niemand begegnet. Perfekte Bergeinsamkeit!


Mount Robson erscheint


Barricade Mountain




Weglos durch die Bergtundra










Mount Robson




Der Spätnachmittag ist so schön, das wir beschließen, schon jetzt zu essen und dann noch in den Abend hinein zu laufen. Auf der Karte haben wir einen Platz ausgemacht, von dem wir vielleicht einen tollen Sonnenuntergang erleben können, der ist jetzt unser Ziel. Andererseits kann es natürlich auch immer schnell ungemütlich werden, wenn man an zu exponierten Stellen zeltet. Aber wir haben Glück, als wir zu dem Kamm aufsteigen, finden wir in einer Mulde einen perfekten, geschützten Zeltplatz, der gleichzeitig ein toller Aussichtsbalkon ist. Allerdings dauert es jetzt, Anfang August dann auch nicht mehr lange, bis nach 20 Uhr langsam die Schatten der Nacht oberhand gewinnen. 


Frühes Abendessen



Eine weite, grüne Bergtundralandschaft





Im Sonnenuntergang


Unser Lagerplatz bietet herrliche Aussichten

Trotz der Höhe wird die Nacht recht mild und bereits gegen 5:30 färbt die Morgensonne die Berghänge. 


Blick vor Sonnenaufgang zum Mount Robson

Wir steigen zu den Blueberry Lakes ab, wo wir den GDT verlassen, um in McBride neue Vorräte zu kaufen. Ein gut sichtbarer, zum Teil mit Bändern frisch markierter Pfad beginnt, der durch den Wald auf 7 Kilometern tausend Höhenmeter verliert und entsprechend steil ist. Bereits um 9:20 erreichen wir eine Forststraße, wo wir ein Paar um die 30 treffen, die ihre 7-monatige Tochter dabei haben. Die Beiden betreiben ein kleines Wanderunternehmen und wurden von Melissa und Mike angeheuert um ihnen Proviant für die nächsten 10 Tage zu den Blueberry Lakes zu bringen. Da die Frau das Baby trägt, muss er also Proviant für 20 Tage und ihre eigene Zeltausrüstung tragen. Tatsächlich haben Melissa und Mike sogar Wein geordert. Da ist der Preis für den Spass von 400 Dollar sogar vergleichsweise günstig…

Ein Auto, das hier geparkt ist, hat einen Käfig aus Maschendrahtzaun ringsum. Wir erfahren, dass das zum Schutz vor Stachelschweinen dient, die ansonsten Schläuche und Kabel gerne annagen…

Jetzt liegen also 43 Kilometer Forststraße vor uns, immerhin werden wir darauf schnell vorankommen. Der Weg führt durch den Nadelwald teilweise an alten Kahlschlägen vorbei. Es ist sonnig und warm, daher wimmelt es von Schmetterlingen. Nach etwa 16 Kilometern haben wir Glück, als uns ein älteres Schweizer Paar aufliest, das vier Wochen Urlaub in Kanada verbringt und eine Spritztour in das Tal gemacht hat. Sie hatten uns schon auf dem Hinweg gesehen, und spontan beschlossen uns mitzunehmen. Wir werden dann vor dem Supermarkt im 600- Einwohner Dorf McBride abgesetzt, wo wir uns natürlich erst einmal eine große Eisschale gönnen, und dann für 11 Tage einkaufen. Schwer bepackt gehen wir schließlich zum netten Beaverview Campingplatz, der am Fraser River etwa zwei Kilometer außerhalb liegt. 



































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