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06.01.2020

Auf dem Grand Enchantment Trail durch New Mexico 8


Bei mir bleibt es trocken in der Nacht. Ich stelle mir den Wecker des Smartphone auf 5:30, muss dann aber feststellen, dass meine Stirnlampenbatterien fast erschöpft sind. Daher macht es keinen Sinn bereits im Dunkeln aufzubrechen.
Es hängen noch Wolken in der Luft, die in Verbindung mit dem milden Morgenlicht, was lange Zeit von hinten kommt, eine tolle Stimmung erzeugt. Herrlich so ein Wüstenmorgen!
Ich folge weiterhin Fahrwegen, was mich aber nicht groß stört, da ich heute keinen Menschen sehe...
Wasser ist kein Problem, da ich einige Tränken und Viehteiche passiere.
Die Wacholder werden immer weniger und verschwinden schließlich ganz. Dürres Gras und grau- grüne Mesquite Sträucher prägen die weiten Ebenen zwischen den steinigen Hügeln.
An der Rancho Grande Well endet der Weg, ich fülle eine Liter Wasser nach und gehe weglos etwa einen Kilometer bis zum Beginn eines Arroyo. Die eine oder andere Felsstufe ist hier zu bewältigen, was jedoch einfach ist. Zum ersten Mal auf dieser Tour sehe ich an de Hängen des Arroyo Ocotillo Sträucher, die mit ihren Blättern am Stamm ziemlich bizarr wirken.
Heute sehe ich etliche Eselshasen, einen kann ich über längere Zeit fotografieren.
Außerdem beobachte ich manchmal kleine Falken und andere Greifvögel. Einmal laufen kleine Wachteln am Weg entlang.  Tatsächlich begegnen mir einmal sogar Wildpferde: Eine
weiße Stute und ihr Fohlen, sowie ein brauner Hengst. Sie nehmen allerdings schon aus großer Entfernung Reissaus, als sie mich bemerken.
Obwohl es erst 11 ist, mache ich an der Stapleton Windmill Mittagspause. In dem großen Bassin schwimmen einige Goldfische!
Weiter geht es auf Fahrspuren durch die endlosen, staubigen Weiten. Ich sehe immer mal Rinder, doch nie so viele wie gestern.
Die Stapelton Ranch wirkt, als sei sie schon in den 50‘er Jahren verlassen worden, mit einem ausgebranntem Vieh- LKW vor dem Haus.
Weiter geht es zunächst querfeldein dann auf einem Weg zur Schlucht Puertecito de Bowling Green.
Obwohl es über den Magdalena Bergen zu gewittern scheint, ist es hier jetzt sonnig und sehr heiss.
Am Eingang der Schlucht sieht man eine neuzeitliche Behausung in der Wand. Wer hier wohl gewohnt hat?
Ein Schild weist auf Kameraüberwachung des Geländes hin!
Hinter der Schlucht gelange ich bald an eine weitere Viehtränke. Da es bis zum nächsten Wasser weit ist, will ich hier lagern. Es ist 16 Uhr und plötzlich beginnt es zu regnen. Rasch baue ich mein Ponchotarp auf, der Regen ist aber nur von kurzer Dauer.
Ich bin heute ca. 27 Kilometer gelaufen und habe keinen Menschen gesehen!
Abends lässt der Wind nach und es ist ruhig und schön.
Wahnsinn wie die mächtigen Wolken im Sonnenuntergang gefärbt werden! 
Ich liebe diese herrliche Hochwüste!
Allerdings ist der Lagerplatz nicht ideal,  nur Staub, so dass ich mich ziemlich dreckig fühle, und für die Ausrüstung, von Kamera bis Reißverschlüssen ist das auch ziemlich gefährlich...

Als es dunkel ist und ich draußen im Schlafsack liege, fängt es wieder an zu regnen und ich muss rasch meine Sachen zusammen raffen und ins Tarp umziehen, tatsächlich regnet es aber nicht sehr heftig.

                                                                     
                                                                     Vor Sonnenaufgang

                                                         Ein herrlicher Morgen


                                                               Eselhase

                                                                                   

                                                                                       Arroyo

                                                        Im Arroyo

                                                          Ocotillo Sträucher



                                                          Wasserstelle


                                                   Wüstenhafte Landschaft

                                                         Reifentränke


                                                Hier ist die Zeit stehen geblieben

                                                    Mesquite

                                                      Zugang zu den Felswohnungen

                                                            Ja, klar...

                                                      Lager bei Viehtränke

                                                             Longhorns


                                                         Staubiges Camp


                                                      Abendlicht

                                                 Was für Wolken!



                                                       Sonnenuntergang



























05.01.2020

Auf dem Grand Enchantment Trail durch New Mexico 7

                                 

                                                              Mountainair-Magdalena

Nachdem ich noch mal geduscht und gefrühstückt habe, fährt mich der Wirt tatsächlich um 6:30 zurück zum Trail.
Zunächst folge ich der Piste CR 115 einige Kilometer weit.
Nicht weit vom Highway ist mir schon gestern ein großer Wohnwagen aufgefallen, wohnt dort jemand?
Die Straße steigt zu einem Sattel an, von dem aus ich querfeldein zum Montosa Canyon gehe. Die Gegend ist öffentliches Land, was nicht vom National Forest, sondern vom BLM verwaltet wird, dem Büro für Land Management, dass für die nicht bewaldeten Flächen zuständig ist. Schilder verraten, dass es hier durchaus Regeln gibt, wie dass man nicht querfeldein fahren und kein Feuerholz schlagen darf. 
Das Vorankommen in dem offenen Wacholder Buschwald ist sehr einfach. Interessanterweise sehe ich heute überhaupt keine Pinyon Kiefern mehr.
Die Montosa Schlucht ist ein netter, kleiner Sandsteincanyon, teilweise mit niedrigen, glatten Felsen.
Als ich Montosa bald über einen Seitencanyon verlasse, stoße ich dort sogar auf eine Pfütze!
Ich laufe jetzt ziemlich lange weglos über das hügelige Hochplateau.
Herrlich, so macht das Wandern in der Chihuahua Wüste Spaß!
Weit schweift der Blick über die isolierten Tafelberge und zurück zu den Manzanos.
Manche Hügel bestehen aus rötlichem Gestein, andere sind ziemlich hell.
Einige Blumen blühen und die Landschaft erscheint mir ziemlich grün.
Kurz vor der Thompson Ranch gelange ich auf die Piste 121.
An der Ranch spielt die junge Mutter Zia mit ihren beiden kleinen Kindern.
Ich bin lediglich mit einem Liter Wasser gestartet, daher frage ich, ob ich meine Flasche auffüllen darf, was kein Problem ist. Ich bekomme sogar noch einige Äpfel geschenkt und unterhalte mich ein wenig mit der Hausherrin, die die 6900 Hektar grosse Ranch auf der 300 Rinder weiden mit ihrem Mann bewirtschaftet. Sie haben noch eine weitere Ranch, die besser mit Wasser versorgt ist und wo sie Heu machen, und hier zufüttern, wenn in trockenen Jahren das Gras nicht reicht.
Die nächsten Orte Berlin und Mountainair sind jeweils eine Stunde mit dem Wagen entfernt. Allerdings will Zia die Kinder selber unterrichten, da in den Orten zu viel Kriminalität durch mexikanische Gangs herrsche!
Das erscheint mir in diesen Nestern ziemlich unwahrscheinlich, aber schon interessant, dass hier offenbar ein Klima der Angst herrscht…
Dem älteren, etwa 3- jährigem Mädchen bin ich offenbar etwas unheimlich, daher verabschiede ich mich bald.
Kurz darauf kommt mir auf der Piste ein Wagen entgegen und die älteren Insassen halten einen kurzen Plausch mit mir.
Schließlich laufe ich wieder lange Zeit weglos weiter. Man kann hier entlang der Stacheldrahtzäune laufen, ich ziehe es aber vor, querfeldein abzukürzen.
Das Sevilleta National Wildlife Refuge darf eigentlich nicht betreten werden, aber Zaun und Schilder halten mich nicht davon ab, zumindest einen 1,5 Kilometer Schlenker durch das Reservat zu machen,
Ich steige in ein Tal ab, dem ich dann folge. Diese schöne, wilde Halbwüstenlandschaft reizt zu weiteren Erkundungen! Allerdings gibt es auch hier Kuhpfade.
Schließlich verlasse ich das Reservat wieder und gelange an einen für das Vieh angelegten Teich.
Ab hier sehe ich fast ständig beeindruckende, große, schwarze Rinder, die in Familienverbänden umherziehen. Oft laufen die meisten Rinder vor mir davon, nur ein mächtiger Bulle bleibt und sondiert die Lage ohne aggressiv zu wirken.
Einem Fahrweg folge ich durch ein weitläufiges, offenes Tal.
Es sind jetzt Wolken aufgekommen und entfernt scheint es zu gewittern.
Heftige Windböen treiben mir Sand in die Augen.
Am Agua de los Tortes Windrad fülle ich aus dem großen, runden Bassin die üblichen dreieinhalb Liter Wasser auf.
Neben dem Windrad treibt ein Generator die Pumpe an und in den Rindertrögen schwimmen kleine Goldfische!
Kurz davor hat sich eine kleine, grünliche Schlange blitzschnell vor mir her geschlängelt. Ansonsten sah ich heute einige Male große, graue Eselhasen, mit langen Beinen und Ohren.
Ich folge einem Weg weiter, bis ich um 17:40 in einiger Entfernung zum Kuhteich Adolpho Tank abseits der Piste windgeschützt im Wacholder mein Lager aufschlage.
Nach dem Essen unternehme ich noch einen Spaziergang auf zwei Felshügel. Beeindruckend diese Weite!
Es scheint als käme das schlechte Wetter noch nach hier. Dunkle Wolken und Wind wirken bedrohlich. Im September herrscht hier noch Regenzeit, daher besteht durchaus die Möglichkeit, dass ich nass werde...
Als ich zurück im Lager bin, fallen ein paar Tropfen und ich baue rasch das Ponchotarp auf.
Es blitzt und donnert, aber zunächst regnet es nicht...

                                                                       Regeln auf BLM-Land

                                            Weglos durch die offene Halbwüste

                                                                                         Abstieg in Montosa Canyon


                                                Montosa Canyon




                                                     Thompson Ranch

                                 Weglos in der Nähe des Sevilleta Reservats


                                                 Der Grenzzaun von Sevilleta


                                            Im Sevilleta National Wildlife Refuge

                                                     Kakteen voller Früchte


                                                     Viehtränke

                                       Nachmittags bilden sich meist Wolken


                                                           Mächtiger Bulle

                                           Gelb blühende Sträucher

                                                 Goldfische in Viehtränke

                                                   Agua de los Tortes

                                                         Cowboycamp in den Hügeln

                                                   Wie gemalt!

                                                           Die Sonne geht unter























03.01.2020

Auf dem Grand Enchantment Trail durch New Mexico 6


Am nächsten Morgen bin ich bald wieder auf dem Weg und gelange an eine Waldbrandfläche unterhalb von einem felsigen Grat, wo sich der Weg verliert. Die Brandfläche ist nicht groß, ich sehe im Tal schon die ersten grünen Bäume, so dass die Durchquerung der Brandfläche nicht allzu schwer ist.
Ich steige auf zum nächsten Grat und gelange dann nach kurzem Abstieg zurück auf den Pfad. Jetzt mache ich den dummen Fehler in die falsche Richtung zu laufen und bemerke erst nach einiger Zeit meinen Irrtum! Zuvor hatte ich einen Kolibri der vor mir in der Luft stand und zwei Mal Maultierhirsche, darunter ein geflecktes Kitz gesehen.
Der weitere Abstieg durch Wacholder- Kiefernwald stellt kein Problem dar. Einmal schlängelt sich eine kleine, schwarze Schlange vor mit blitzschnell über den Weg. 
An der Forststrasse 422, einer breiten, geschotterten Piste, gibt es einen Parkplatz und die Pine Shadow Spring, eingezäunt und in Beton gefasst.
Zwar ist es erst 10:30, aber ich ziehe meine Mittagspause vor und trinke mich voll, anschließend gehe ich mit nur einem Liter weiter.
Ein Mann mit einem Geländewagen hält kurz und fragt ob ich Pinyon- Samen, die essbaren Nüsse der Pinyon Kiefern gesehen hätte, was aber nicht der Fall ist.
Kaum bin ich auf der Forststrasse wieder unterwegs, sehe ich ein Wiesel die Piste überqueren und einen Falken.
Zwar laufe ich nicht gerne auf Fahrwegen, aber es tut gut mal wieder richtig ausschreiten zu können, ausserdem gibt es keinen Verkehr.
Nach einigen Kilometern biege ich auf eine Fahrspur ab, die weiter durch den einsamen Pinyon- Juniper Buschwald führt. Einmal sehe ich sogar einen Maultierhirsch mit Bastgeweih in dieser trockenen Gegend.
Nachdem ich einen Zaun überquert habe, geht es auf der privaten Ranch Tierra Grande weiter, natürlich weist ein Schild darauf hin, dass „Trespassing“ verboten ist.
Der Weg führt nach unten in den Sand Canyon und die Landschaft wird offener, trockener und heißer. Mein Wasser ist jetzt warm, was auf dieser Reise noch nicht vorgekommen war…
Sand Canyon hat auf einer Seite streckenweise eine steile, graue Wand, ist ansonsten aber wenig spektakulär. Ich erreiche die Bahnlinie auf der lange Güterzüge über eine Brücke fahren. 
Ich folge dem trockenen Bett des Abo Creek, doch tatsächlich, wie im „Waterguide“ von Brett Tucker geschrieben, treffe ich bald auf tiefe Pfützen, ja, der Bach fließt streckenweise sogar und Schwärme kleiner Fische sind im klaren Wasser zu sehen. Ich trinke mich erst mal voll und fülle die üblichen dreieinhalb Liter auf. Ich folge dem Bach weiter, Libellen sirren und etliche Vögel suchen die Nähe des Wassers.
Das Tal ist recht eng und stellenweise muss ich raus, will ich keine nassen Füße haben.
Schließlich merke ich, dass ich den Abzweig einer Nebenschlucht verpasst habe, und muss ein ganzes Stück zurück, was jedoch schneller geht, da ich die Windungen abschneide.
Schließlich laufe ich in dem trockenen Bett des Seitentales noch ein Stück aufwärts, bis ich um 18:15 auf dem Kies des Trockenbettes mein Cowboycamp aufschlage.
Vorher sah ich noch einige sehr große, schwarze Wespen mit braunen Flügeln an weißen Blumen.
Später unternehme ich noch einen kurzen Abendspaziergang.
Um 19 Uhr zeigt das Thermometer noch 32 Grad...

Ich beschließe morgen nach Mountainair zu trampen anstatt noch zwei Tage mit wenig Essen nach Socorro zu laufen. In meinen Hosengürtel habe ich heute ein neues Loch gebohrt...

                                                                Abstieg durch trockenen Busch


                                 Der Piste im Tal werde ich einige Zeit folgen


                                 Pine Shadow Spring liegt hinter dem Zaun


                                                                                                     Forest Road 422

    Auf wenig benutzten Pisten durch die Vorberge der Manzanos

                                                    Ein Stück führt der GET über Privatland



                                                                            Es wird heiß und trocken


                                                        Güterzug auf Bahnlinie



                                                                Abo Creek



   Fischschwärme zeigen, dass der Bach
   wohl immer Wasser führt

                                                                          Idyllische Oase


                                                Ich sehe große, schwarze Wespen


                                          Cowboycamp im Arroyo


                                                         Eine milde Nacht

Auch am Morgen ist es mild und ich laufe im schmalen, steinigen Bett des Arroyo weiter. Irgendwann ist es einfacher oberhalb des Trockenbettes durch die spärliche Vegetation zu laufen. Ich überklettere einen Stacheldrahtzaun und passiere einen gut gefüllten Viehteich. 
Um 8:45 erreiche ich den Highway 60 und versuche mein Glück beim Trampen. Es herrscht wenig Verkehr, meist LKW. Nach einer Stunde denke ich bereits daran, doch nach Socorro zu laufen, obwohl ich gestern den Rest meiner Abendmahlzeiten aufgegessen hatte, dann hält aber doch ein Pick- up mit zwei ziemlich schweigsamen Männern, die mich die 18 Meilen nach Mountainair, einem kleinen Wüstenort mitnehmen.
Ich kaufe in einem kleinen Laden Lebensmittel für 12 Tage und gehe dann zur Post gegenüber, wo ich das 13 Kilo schwere Paket postlagernd nach Magdalena schicke, was knapp 30 Dollar kostet.
Dann gehe ich zum Rock  Motel, wo die Besitzerin zusagt, mich morgen zum Trail zurück zufahren!
Nachdem ich mich rasiert und geduscht habe, gehe ich im Mustang Diner günstig mexikanisch essen.
Das Essen für die nächsten 5 Tage bis Magdalena kaufe ich dann im Family Dollar Laden, was erheblich günstiger ist!
Während ich im Waschsalon meine Sachen wasche, esse ich Eis und einen Apfel. Kaum zu glauben, dass ich es dann abends im Mustang noch schaffe, eine Familienpizza zu essen!
Dort singt eine Frau schön zur Gitarre.
Ich weiß den Komfort von Motel und Essen gehen schon sehr zu schätzen.

Ohne eine feste Basis mit Strom, Internet und Dusche wäre es schwieriger...

                                                                            Ich folge dem Arroyo weiter


                                                    Halbwüste

                                                Mountainair









02.01.2020

01.01.2020

Auf dem Grand Enchantment Trail durch New Mexico 4


Heute erreiche ich den Kamm der einsamen Manzano Range. Die Navigation ist teilweise nicht ganz einfach, und die meisten Wege sind mit dichtem Busch ziemlich zugewachsen...