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20.01.2016

Papageitaucher und Polarfüchse in Islands Westfjorden






Kaum zu glauben: Am Morgen erscheint doch tatsächlich ein Bus am Zeltplatz und fährt dann ohne Probleme durch die Krossa! O.k, geländegängige Busse auf Island sind wirklich für fast jedes Terrain geeignet...
Gegen Mittag bin ich wieder am Busbahnhof in Reykjavik und nehme meine dort deponierten Sachen in Empfang, glücklicherweise auch ein Paar Schuhe...
Rent-a-wreck hat auch noch einen günstigen Wagen zur Verfügung, so kann ich fast ohne Verzögerung zu meinem 4- Tage Trip in die Westfjorde aufbrechen. Das "Wrack" hat bereits einige Dellen, ist also goldrichtig für die Schotterpisten in Islands rauher Nordwestecke...
Da ich ja genug Platz habe, nehme ich Anhalter mit, zunächst zwei polnische Studententinnen und dann den Isländer Oskar, der auch in die Westfjorde will. Mein Passagier ist ein richtiger Lebenskünstler, der viel Interessantes zu erzählen hat, sei es über die isländischen Elfen, die schon mal beim Straßenbau zu ungeplanten Umwegen führen können, oder über die Anhänger von Thor und Odin, den alten nordischen Göttern, die anscheinend eine Renaissance erleben...
Im Winter arbeitet Oskar in Hotels. Sein Job besteht darin, bei Erscheinen von Nordlichtern, meist japanische Reisegruppen im Wikingerkostüm aufzuwecken, und auf das Naturereignis hinzuweisen. Was es alles gibt...
Als wir die Westfjorde erreichen, wird es richtig einsam. Man hat fast das Gefühl alleine zu sein. In der weiten Landschaft taucht dann und wann ein einsamer Hof auf. Wie es wohl ist, im dunklen Winter dort zu leben?
Oskar verlässt mich am Abzweig nach Isafjördur, ich dagegen will weiter nach Latrabjarg, einem der größten Vogelfelsen der Welt. 
Doch da es schon recht spät ist, beschließe ich in Breidavik zu übernachten, einem 13 Kilometer von der Klippe entferntem Örtchen. In dem dortigen Hotel sind erstaunlich viele Gäste, man kann aber auch zelten.
Nach dem langen Tag im Auto genieße ich noch einen abendlichen Spaziergang zu dem fantastischen Sandstrand der Bucht.


                                                                Breidavik



                                            Die Bucht von Breidavik

Obwohl nur eine schlechte Piste zu der Klippe führt, bin ich erstaunt, dass der Vogelfelsen doch von recht vielen Leuten besucht wird. Na ja, das bis zu 450 Meter hohe Kliff erstreckt sich über eine Länge von 14 Kilometern und die meisten Leute gehen nur ein paar Schritte...
Bis zu 10 Millionen Brutpaare aus 10 verschiedenen Vogelarten besiedeln die Felsen!


                                Der Vogelfelsen Latrabjarg


Am bekanntesten davon sind die Papageitaucher, mit ihren lustig bunten Köpfen. Einige der auf Island "Lundi" genannten Vögel, haben ihre Bruthöhlen am Oberrand der Klippe angelegt, und lassen die Menschen ohne Scheu bis auf zwei Meter an sich heran!






                                    Papageitaucher

Neben den Lundis wird der Felsen vor allem auch noch von Tordalken, Trottellummen und Dreizehenmöwen bewohnt.


                                              Tordalk



                                    Trottellummen





                                              Dreizehenmöwen

Ich unternehme einen langen Spaziergang am Rand der Klippe, wobei ich immer mal wieder anhalte um die Vögel zu beobachten und zu fotografieren. 
Auf dem Rückweg begegne ich zwei jungen deutschen Wanderern, die hier eine Mehrtagestour unternommen haben. Sie sind ziemlich begeistert, leider hat sich der Eine seinen Knöchel verstaucht, daher sind sie erfreut,  als ich anbiete, sie nach Talknafjördur mitzunehmen.
Mein Ziel ist Isafjördur von wo ich die Fähre zur Halbinsel Hornstrandir nehmen möchte. Doch lasse ich mir nicht den Besuch von Dynjandi, dem "Donnerndem" nehmen, denn dieser ist einer der schönsten Wasserfälle des Landes. In zwei Stufen stürzt hier das Wasser auf breiter Front 100 Meter weit in die Tiefe.




                                                                   Dynjandi

Meist führt die Straße in endlosen Bögen um die tief eingeschnittenen Fjorde herum, manchmal gibt es aber auch eine Abkürzung über die Berge im Inneren der großen Halbinsel.
Das Wetter ist nach wie vor fantastisch, daher macht es großen Spass durch die Einsamkeit der Berge in den Abend hinein zu fahren.


                                     In den Bergen der Westfjorde

Als ich gegen 23 Uhr Isafjördur erreiche, beträgt die Temperatur lediglich - 2 Grad...

In der Touristeninformation des Ortes erfahre ich, dass die Abfahrtszeiten der Fähre für mich ziemlich ungünstig liegen. Es ist weit bis nach Reykjavik und ich will ja meinen Flug nicht verpassen!
Spontan beschließe ich, Hornstrandir nicht zu besuchen und statt dessen eine Wanderung an der unbewohnten, straßenlosen Küste hinter Unadalur zu unternehmen. 
Einige Robben, die man von der Straße aus beobachten kann, geben mir schon mal einen Vorgeschmack auf meine Wanderung.
Doch zunächst gilt es die bisher schlechteste Piste auf Island zu bewältigen...
Dann geht es endlich los und die Küste entpuppt sich als wunderschön! Kaum zu glauben, wie üppig und vielfältig die Natur hier so weit im Norden ist! Blühende Orchideen, Wollgras und ein vielfältiges Terrain, von nassen Sumpfwiesen über Kiesflächen bis hin zu breiten Sandstränden ist alles vertreten. Der Küstenstreifen ist meist 200-300 Meter breit, dahinter ragen Felswände steil auf, hinter denen sich dann unweit entfernt ein Gletscher erstreckt.
Nach der doch mehr auf rasches Vorankommen konzentrierten Hochlandwanderung genieße ich es, mich treiben zu lassen und nehme mir viel Zeit zur Beobachtung der zahlreichen Vögel und natürlich kommt auch das Fotografieren nicht zu kurz.


                              Mehrere Orchideenarten blühen



                                    Ein Wasserfall stürzt zur Küste herab

Einige Male sehe ich Robben neugierig aus dem Wasser auftauchen, und zwei Mal zeigt sich kurz ein Polarfuchs.
Nach lediglich 10 Kilometern Luftlinie schlage ich mein Zelt mit Blick auf den Fjord auf.


                                        Eine tolle Küste!

Ab 21 Uhr wird das Licht besonders schön, und bringt die Landschaft zu einem weichen Leuchten.



                                  Wollgras im Abendlicht

Bereits früh am nächsten Morgen beträgt die Temperatur schon fast "tropische" fünf Grad, bald scheint die Sonne von einem blauen Himmel, und man könnte glauben, viel weiter im Süden zu sein!
In gemütlichem Tempo erkunde ich weiter die malerische Küste.


Herrliches Wetter


                                                           Ein Traumtag!

Gegen Mittag erreiche ich eine verfallene Hütte der isländischen Rettungsgesellschaft Landsbjorg, neben einem großen, abgeschlossenen Haus. Dann und wann erkunden wahrscheinlich überwiegend isländische Wanderer die Küste. Zwei der größeren Bäche sind sogar mit Brücken versehen.
Da ich morgen zurück nach Reykjavik muss, drehe ich um und schlage später mein Lager nur noch einige Kilometer von meinem Mietwagen entfernt auf. 
Bei meinem abendlichen Spaziergang höre ich merkwürdige keckernde Geräusche, und kann bald darauf den Urheber kurz sehen, der fast katzenartig hinter den Felsen verschwindet. Natürlich möchte ich das Tier näher in Augenschein nehmen und schleiche hinter her. Um einen besseren Überblick zu erhalten, klettere ich auf einen Felsen und erspähe schließlich den Urheber des keckerns, einen Polarfuchs, der sich hinter einem Stein versteckt hat.


                                          Der Polarfuchs versteckt sich

Als der Fuchs in seiner Deckung verharrt, schleiche ich mich langsam, vorsichtig näher. Obwohl er mich längst bemerkt hat, verharrt er unbeweglich und lässt mich schließlich bis auf fünf Meter herankommen! Es scheint sich um ein recht junges Tier zu handeln. Ich befürchte schon fast, dass der Fuchs verletzt ist, aber irgendwann zieht er ohne Eile gesund und munter weiter...


                                                        Polarfuchs

Das war noch einmal ein sehr schönes Erlebnis zum Abschluss meiner Islandreise. 
Aber es sollte noch eine weitere unerwartete Begegnung geben: Als ich auf dem Campingplatz in Reykjavik schon im Zelt liege, höre ich eine bekannte Stimme vor dem Eingang. Es ist Vincent, der sich  auch gerade in der Stadt befindet, und mein Zelt erkannt hatte! In der Zwischenzeit ist mein Freund im Packraft zwischen den Eisbergen Jokulsarlons gepaddelt und hofft jetzt Island aus der Luft fotografieren zu können...

Kommentare:

  1. Hallo Gerald,

    wie immer ein toller Reisebericht, der Lust auf die Landschaft macht.
    Ich hätte noch Fragen zu Vincents "Vorderrucksack" (Sea to Summit Daypack?): Hatte er den irgendwie an den Schultergurten des eigentlichen Packs befestigt oder einen Hüftgurt daran? Oder einfach "normal" angezogen? Wie viel Kilo hat er da ca. transportiert? Wie kam er damit zurecht? Ich stelle mir das eher ungemütlich vor.

    Liebe Grüße

    Jan

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  2. Ja, Vincent hat einen leichten Silnylon Daypack zur Fototasche umgebaut. Innen hat er den Rucksack mit Material von einer zerschnittenen Matte ausgepolstert. Den Daypack hat er mit 4 Karabinerhaken am eigentlichen Rucksack eingehängt, so dass die Last auf das Tragesystem des HMG Porter Pack übertragen wurde. Er fand das Gewicht darin sehr gut tragbar. Das genaue Gewicht von dem was er darin transportiert hatte weiß ich nicht, im Wesentlichen seine Fotoausrüstung. Wahrscheinlich an die 5 kg. Ich fand die Landschaft ja zwischendurch im Hochland etwas karg, aber wenn ich mir jetzt die Bilder anschaue, muss ich schon sagen, dass Island landschaftlich extrem attraktiv ist. An diesem Wochenende will ich übrigens mit den Blogbeiträgen zu meinen Abenteuern im Herbst in Bolivien beginnen, ein weiteres tolles Land...

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  3. Danke für die Antwort! Wie zufrieden bist du denn mit deinem HMG-Pack? Was war das Höchstgewicht, das du bisher damit getragen hast? Finde den 4400er Wind Rider auch interessant, wobei mich das Fehlen der Loadlifter und der mickrig aussehende Hüftgurt stört.

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  4. Ich finde den Rucksack gut. Allerdings war er nach der Bolivien- Reise ziemlich fertig. Der Packraftingstore hat mir aber aus Kulanz einen Neuen gegeben...
    An die 30 kg habe ich wohl schon mitunter drin gehabt. Das ist aber zuviel, nicht zuletzt deswegen haben sich die Nähte an denen die Schultergurte befestigt sind, begonnen aufzulösen. Obwohl der Rucksack keine üppigen Schultergurte etc. hat, lässt er sich doch erstaunlich gut tragen. Sein niedriges Gewicht, bei hohem Volumen und guter Tragbarkeit ist schon eine coole Kombination. Wenn du einen stabileren Rucksack suchst, könnte ich dir den Macpac, den ich in Schottland verwendet hatte, günstig anbieten. Mir passt der Rucksack leider nicht richtig.

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  5. Danke, aber für den MacPac bin ich doch zu UL-nerdig. Finde momentan den HMG und den Laufbursche Huckepack Plus interessant.
    Bei mir gehts übrigens im April auf den Cape Wrath Trail, werde da evtl. mal versuchen, Essen für 17 Tage in meinen rahmenlosen Huckepack zu kriegen.

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  6. Der Cape Wrath Trail ist eine super Idee! Wie du ja sicher an meinem Bericht gemerkt hattest, war ich ziemlich begeistert...

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