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03.11.2013

Trekking und Packrafting im Kimberley 3

Ich habe Proviant für 20 Tage im Rucksack. Als ich eine Zwischenbilanz über die bereits zurückgelegte Strecke und das was noch vor mir liegt ziehe, wird mir klar, dass ich zu langsam bin. Daher beschließe ich jetzt größere Strecken weit abseits vom Fluss zu laufen, da ich so deutlich schneller bin als mit dem Packraft auf dem sich streckenweise windendem Drysdale.
Meistens ist die Vegetation nicht besonders dicht, so dass ich gut vorankomme. Zur Navigation bestimme ich zwar einen Wegpunkt aus meiner Karte an dem ich wieder auf den Fluss stoßen möchte, marschiere dann aber nach Kompasspeilungen, was auch gut funktioniert.
Besonders leicht lassen sich Gegenden durchqueren, in denen ein Buschfeuer die Bodenvegetation verbrannt hat.

                                       Wandern abseits des Flusses



         Immer wieder sind auch größere offene Flächen in das lichte Waldland eingestreut.


Zwar wird die Landschaft im weiteren Verlauf der Tour etwas hügeliger mit eingeschnittenen Tälern, aber insgesamt ist das Gebiet des Nationalparks eher flach. Nichts desto trotz finde ich die Gegend abwechslungsreich und es macht mir großen Spass den weiten Busch zu erkunden, in dem Bewusstsein, dass es wahrscheinlich im Umkreis von mehr als hundert Kilometern keinen anderen Menschen gibt...

                            Aussicht von einem Felshügel über die unendliche Weite des Kimberley

Überall wo Grevilleen oder Eukalypten blühen, finden sich Scharen von Vögeln ein.

                          Blühende Grevillea






                                         Papagei an Eukalyptusblüten


                                                     Papagei

Aber natürlich lege ich weiterhin einen Teil der Strecke im Packraft zurück.

                                          Wo finde ich die beste Durchfahrt?

Auch vom Wasser aus kann ich immer wieder Vögel beobachten und fotografieren. Dazu habe ich meine Kamera in einem wasserdichten Beutel vor mir im Boot liegen und mache sie stets rasch schussbereit, wenn sich die Gelegenheit bietet. Häufig bin ich aber zu langsam…

                                   Scharen von Kakadus am Ufer


                                                 Kakadus


                                             Kormorane

Um meine Vorräte notfalls mit Fisch ergänzen zu können, habe ich etwas Schnur und einige Haken dabei. Als ich mein Lager an einem schönen Platz unterhalb einer Stromschnelle aufschlage, möchte ich mein Glück versuchen.

                            Ein vielversprechender Platz zum Angeln

Als Köder verwende ich Rosinen aus meinem Müsli. In dem klaren Wasser des Flusses sieht man häufig Fische. Einige Male lutschen kleinere Schuppenträger lediglich die Rosine runter, aber dann nähert sich ein größerer Bursche und hängt bald am Haken. Es dauert nicht lange und ich habe eine gute Grillmahlzeit zusammen.

                                                 Der Drysdale ist sehr fischreich

Nachts sehe ich auch immer wieder einige der großen Krebse, die wir schon im Nitmiluk Nationalpark gesehen hatten.
Ansonsten ist mein Speiseplan eher eintönig: Müsli mit Milchpulver zum Frühstück, Macadamia Nüsse als Mittagssnack und abends eine über dem Feuer zubereitete Nudelmahlzeit.

                                                Mein Proviant

Nach meinen bisherigen guten Erfahrungen mit dem Querfeldeinwandern beschließe ich zum Oberlauf des Bango Creek zu gehen, der nach der Karte einen interessanten Schluchtabschnitt hat. Danach will ich dem Bach zurück zum Drysdale folgen.


                                   Es gibt auch hohe Grasflächen


                                   Vor kurzem abgebrannt



Da ich bisher überall immer wieder Wasser entdeckt hatte, fülle ich meine Flasche mit lediglich einem Liter auf. Als ich an einem in der Karte eingezeichnetem Bach dann aber nirgendwo Wasser finde, beunruhigt mich das noch immer nicht sehr, da ich gut voran komme und sicher bin am Bango Creek etwas von der lebensnotwendigen Flüssigkeit zu finden. Dann komme ich da an, wo laut Karte der Bach verlaufen soll, aber weit und breit ist nichts von einem größeren Tal zu erkennen. Die kühlen Morgende vom Anfang der Tour liegen schon lange zurück. Es ist heiß und ich habe sicher von der Dehydrierung hervorgerufene Schmerzen in der Seite. Ich darf jetzt nicht in Panik geraten! Es dauert dann aber noch einige Zeit bis ich dann doch den Bango Creek erreiche. Hier der nächste Schock, im breiten Sandbett gibt es keinen Tropfen Wasser zu finden. Allerdings setze ich darauf, dass das in der Schlucht anders aussehen wird, und behalte Recht. Was für eine Erleichterung!

                                      In der Schlucht gibt es noch Wasser

Ich schlage mein Lager auf und unternehme dann ohne Gepäck einen Erkundungsgang bachaufwärts. In den Felsen beobachte ich ein Rock Wallaby, dass aber für ein Foto zu weit entfernt ist. Die Schlucht ist zwar nicht extrem spektakulär, dennoch macht es mir Spass das Tal zu erkunden. Ich weiß, dass es im Drysdale River Nationalpark zahlreiche Felsbilder der Aborigines gibt, leider entdecke ich aber keine Zeichnung.

                                                        Bango Creek

In den Bäumen oberhalb der Schlucht höre ich das Lärmen von großen, schwarzen Kakadus. Es gelingt mir sie anzupirschen und bei ihrer Fruchtmahlzeit zu beobachten. Wenn sie mit ihren mächtigen Schnäbeln grüne Früchte öffnen, ist ein lautes Knacken zu vernehmen.

                                                Schwarzer Kakadu

Schließlich erreiche ich eine Stelle an der der Bango Creek in einer Doppelkaskade eine Felswand herab stürzt. In der Regenzeit ist es sicher spektakulär hier, jetzt ist es mehr ein Rinnsal.

                                         Kleiner Wasserfall am Bango Creek

Irgendwann trete ich den Rückweg an und richte mich in meinem sandigen Lager ein.

                                  Lager am Bango Creek

Bereits in der Dämmerung höre ich Geräusche in der Nähe. Als diese während der Nacht aus der unmittelbaren Nähe des Zeltes zu kommen scheinen, leuchte ich die Umgebung mit meiner Stirnlampe ab, und siehe da, ein stachliges Etwas hat sich halb unter einem Felsen versteckt. Zu meinem Erstaunen ist das Tier immer noch an der selben Stelle als es hell wird. Es handelt sich um einen stachelschweingroßen Ameisenigel, eines der beiden eierlegenden Säugetiere!

                               Ein Ameisenigel versteckt sich in Zeltnähe

Am nächsten Tag folge ich dem Bango Creek abwärts um zurück zum Drysdale zu gelangen. Zunächst ist das Vorankommen in der steinigen Schlucht nicht einfach. Dann gibt es aber auch wieder flache, sandige Abschnitte in denen der Verlauf des Baches kaum auszumachen ist. Erstaunlicherweise taucht der Bach dann wieder auf, ist stellenweise fast 10 Meter breit und könnte mit dem Packraft befahren werden! Seine Ufer werden von hohem, grünem Galeriewald gesäumt. Unvermittelt gelange ich an den Rand einer 20 Meter abfallenden Steilstufe.

                      Zwanzig Meter hohe Steilstufe

Jetzt ist der Wasserfall zwar trocken, aber an seinem Fuß befindet sich ein großer Pool.
In der Felswand entdecke ich ein Rock Wallaby. Von solchen kletternden Minikängurus hatte ich vorher auch noch nie etwas gehört.

                                          Rock Wallaby

Im Pool warted ein Süßwasserkrokodil auf Beute. Vielleicht hat es ja Glück und kann nach Einbruch der Regenzeit zurück zum Drysdale schwimmen.

                                      "Freshie" im Pool unterhalb der Stufe

Schließlich gelange ich zurück zum Drysdale und kann mal wieder mein Packraft einsetzen.
Was die Fotografie angeht, habe ich zwei Probleme. In mein Zoomobjektiv scheint Sand eingedrungen zu sein. Zunächst habe ich festgestellt, dass die Belichtung überhaupt nicht mehr passt. Irgendwann kann ich das Objektiv sogar gar nicht mehr verwenden. Außerdem haben sich meine Akkus schneller entleert als gedacht. Daher fotografiere ich nur noch wenig mit dem Teleobjektiv.
Das ist schade, da der Fluss jetzt häufig durch Schluchten mit orangen Steilwänden führt, die ich jetzt leider nicht mehr fotografieren kann. Auch eröffnen hohe Felswände neue Perspektiven auf den Lauf des Drysdale. Manche Stromschnellen lassen sich gut befahren, aber häufig ist es einfach zu steinig, daher muss ich immer wieder das Wasser verlassen.
In einem Bereich in dem der Fluss sich wie so häufig in zahlreiche Arme verzweigt, entdecke ich eine Kolonie von Flughunden am Ufer.


                                                          Flughunde

Als zunächst ein Seeadler und dann ein mächtiger Keilschwanzadler vorbeifliegen und sich in der Nähe in einem Baum niederlassen, kommt Unruhe in die Kolonie, und einige der großen Fledermäuse fliegen sogar davon.
Am Johnson Creek unternehme ich einen weiteren ausgedehnten Ausflug landeinwärts. An einer Stelle fallen mir einige als Aasfresser bekannte Schwarzmilane in einem Baum auf. Ein Stück weiter nehme ich einen stechenden Geruch wahr. Dann sehe ich einen Rinderkadaver an dem drei Dingos sich zu schaffen machen.

                                 Dingos an Rinderkadaver

Zwei der Wildhunde suchen rasch das Weite, ein Weibchen lässt sich aber noch fotografieren.

                                                        Dingo

Die Wildhunde haben das Rind sicher nicht gerissen, sondern tun sich lediglich am Aas gütlich. Ich hatte schon einige Male auf der Tour ihr Bellen gehört. Sie scheinen hier nicht selten zu sein.
Von der grandiosen Schlucht des Drysdale mit dem Höhepunkt der Solea Falls und den umgebenden kleinräumig extrem zerfurchten Felsplateaus kann ich leider nur ein Bild präsentieren.

                                   Schlucht bei den Solea Falls


                                       Eidechse


                                  Das Euro - eine mittelgroße Känguruart

Ich mache noch einige fantastische Beobachtungen, zum Beispiel von Süßwasserkrokodilen auf Ansitzjagd am Ufer, die nicht reagieren wenn Fische in einem Meter Entfernung vorbei schwimmen. Wahrscheinlich warten die Echsen darauf, dass ihre Beute noch näher kommt…
Hinter dem Schluchtabschnitt verändert sich der Charakter des Flusses. Große Sandbänke tauchen auf, gibt es hier schon Salzwasserkrokodile?

                                      Kein Krokodil, keine Schlange, ein Waran war hier unterwegs

Einige Male beobachte ich einen großen, schön blauen Wasserwaran aus nächster Nähe, schade dass meine Akkus erschöpft sind…
Schließlich verlasse ich schweren Herzens den traumhaften Fluss. Ich bin jetzt auf Farmland und gelange nach einiger Zeit auf selten benutzte, sandige Pisten. Im lichten Wald beobachte ich zwei Kragenechsen, die sich auf den Hinterbeinen aufgerichtet ein Duell liefern. Irgendwann sehe ich einige Farmgebäude, stelle beim Näher kommen aber fest, dass diese wohl schon vor einiger Zeit verlassen wurde. Schließlich treffe ich auf die ersten Menschen seit 19 Tagen. Die Australier sind zum Angeln und Fotografieren von der Kalumburu Road hierher gefahren. Sie erzählen, dass die Aborigines die Farm von der Regierung übernommen hatten. Die Bewirtschaftung hatten sie aber nach kurzer Zeit aufgegeben, und kommen jetzt nur noch hierher um ab und zu ein Rind zu jagen. Toll, ein weiteres großes Stück Wildnis!
Vor der Kimberley Küste hat man große Öl und  Gasvorkommen entdeckt, hoffentlich entscheidet sich die australische Regierung diese große, tropische Wildnis unangetastet zu lassen…

http://www.savethekimberley.com

Ich will morgen früh die Kalumburu Road erreichen, daher lege ich heute über vierzig Kilometer zurück, die letzten davon im Licht des Vollmonds. Ganz wohl ist mir dabei aber nicht, denn bei Nacht sind die Schlangen aktiv, und ich kann den Weg vor mir nicht besonders gut erkennen…
Ich schlafe unter freiem Himmel und erreiche früh am nächsten Morgen tatsächlich die Kalumburu Road. Die ersten zwei Stunden kommt kein Auto vorbei, dafür zieht ein uralter Dingo zweimal unmittelbar bei mir vorbei. Irgendwann habe ich aber Glück und werde von australischen Touristen mitgenommen. Später fahre ich dann ein Stück mit zwei jungen Aborigines, die mir erzählen, dass sie manchmal zum Jagen und Fischen zum Drysdale gehen. Nach ihren Worten gibt es auch oberhalb der Solea Falls Salzwasserkrokodile, vielleicht habe ich sie aber auch nicht richtig verstanden…
Ein weiteres Touristenpaar nimmt mich zum Campingplatz einer Farm mit wo wir übernachten und am nächsten Tag erreiche ich Kununarra wo ich in dem Hostel einen Teil meiner Ausrüstung zurück gelassen hatte. Ich habe noch etwas Zeit vor meinem Abflug und so habe ich schon eine Idee für ein weiteres australisches Abenteuer...


















Kommentare:

  1. Hallo Gerald,

    wie schön, daß du jetzt deinen eigenen blog hast - eine wahre Fundgrube für den Wildnisfan, wie ich schon bei flüchtigem Anschauen feststellte :-)

    Von deiner Kimberley-Wanderung bin ich absolut begeistert! Wunderschöne Fotos und ein spannender Bericht. So sehr ich die Wildnis liebe und mich danach sehne, so wäre deine Wanderung doch nichts für mich gewesen, denn spätestens an dieser Stelle: "Jetzt nicht in Panik geraten" wäre mir, dehydriert und ohne Wasser, mit absoluter Sicherheit genau dies passiert :-)

    Und gar erst der verlockende Pool mit auf Beute lauerndem Süßwasserkrokodil! Ich bekomme starke Zweifel, ob man solche pools in Australien nicht doch besser meiden sollte, denn dieser hier befindet sich ja immerhin unterhalb einer 20 m hohen Steilstufe, wie du schreibst. Aber du schwimmst sogar mit den Freshies? Hast du denn gar keine Angst vor ihnen?

    Supertoll: die Bilder von den Flughunden, aber auch so viele andere Fotos, der Seeadler zB.

    Wieso ist die Nachtwanderung gefährlich? Es heißt doch immer, daß die Schlangen die Bewegungen eines Menschen wahrnehmen und sich von ihm fernhalten? Stimmt das so nicht? Und ist das Schlafen unter freiem Himmel im Schlangengebiet demgegenüber völlig ungefährlich? Würden Giftschlangen niemals einen Schlafenden attackieren?

    zum 2.11.:
    Morgens nur 0° - das ist ja kaum zu glauben! Warst du denn nicht halb erfroren? Ich kann mir nicht vorstellen, daß du für solche Temperaturen genügend warme Kleidung mit dir herumgeschleppt hast?

    Die Flußlandschaft des Drysdale ist traumhaft schön, ich beneide dich um dieses Erlebnis. Insbesondere die Abendstimmungen sind wirklich ganz außergewöhnlich, v.a. wenn man bedenkt, daß du weit von jeder Zivilisation entfernt und wahrscheinlich der einzige Mensch weit und breit bist.

    Liebe Grüße
    Savannah

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  2. Na ja, die Freshies gelten schon als ungefährlich, aber wie beschrieben habe ich mich manchmal schon etwas unwohl gefühlt und erschreckt, wenn sie neugierig auf das Packraft zugehalten haben. Das Schwimmen im Drysdale war einfach zu verlockend…Allerdings bin ich schon immer dicht in Ufernähe geblieben…. Wenn ich es aber richtig verstanden habe, was die Aborigines erzählten mit denen ich getrampt bin und es doch auch Salzwasserkrokodile im Drysdale gibt, hätte ich mich wohl nicht aufs Wasser getraut. Allerdings glaube ich nicht wirklich, dass es oberhalb der Solea Falls welche gibt.
    Das Schlangen in der Regel vor Erschütterungen die durch menschliche Füße hervorgerufen werden stimmt, aber ich bin sowohl im Südwesten der USA als auch im Regenwald Guyanas schon mal fast auf eine Schlange getreten, daher ist es mir schon lieber wenn ich sehen kann, was sich vor meinen Füßen tut…
    Weder Schlangen noch Spinnen würden einen Schlafenden attackieren. Aber wenn sie die Wärme unter dem Schlafsack spüren und man sich dann drauf wälzt, kann schon mal ein Unglück passieren.
    Mein Schlafsack war für Australien eigentlich zu warm, daher waren die 0 Grad kein großes Problem. Beim Wandern oder Paddeln wir man auch schnell warm und wenn die Sonne da ist, sind die Temperaturen auch schnell angenehm. Nichts desto trotz war Jana auf dem Jatbula Trail froh, dass ich ihr morgens meine Primaloft Jacke geben konnte.
    Ja, der Drysdale war toll, so viele unbesiedelte Flüsse in tropischer Savanne gibt es auch leider nicht mehr, hoffentlich bleibt das Kimberley noch lange eine fast unberührte Wildnis.

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