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20.05.2016

Die vergessene Welt des Huanchaca Plateau 5 - Das Ende

Am nächsten Morgen heißt es leider Abschied nehmen, von der ganz eigenen Welt des Huanchaca Plateaus. Sicherlich gibt es noch wesentlich abgelegenere Gegenden auf unserem Planeten. Aber durch die von allen Seiten durch Flüsse und dichten Regenwald abgeschottete Lage der riesigen Meseta, ergibt sich ein extrem großes Gefühl des Getrennt sein vom Rest der Welt. Einsamkeit und Weltabgeschiedenheit im besten Sinne! Es würde mich sehr reizen, hier weitere Unternehmungen durchzuführen, aber ich habe mittlerweile natürlich auch gelernt, dass das keineswegs einfach ist.
Schon die Expedition von Colonel Fawcett, die das Huanchaca Plateau bei der Vermessung der bolivianisch- brasilianischen Grenze 1908 entdeckte, stieß hier an ihre Grenzen...
Mit viel Wehmut erreichen wir den Steilabfall des Plateaus, und kommen bereits gegen 10 Uhr zu unserem alten Lagerplatz Las Lajas.
Guido und Ricky haben Wort gehalten, bald stoßen wir auf den sauber frei geschlagenen Pfad, der weiter nach unten führt. Es dauert aber gar nicht lange, bis wir unsere beiden Begleiter treffen, die uns netterweise aus dem "Fischlager" bis hierher entgegen gekommen waren!
Wieder ergötzen wir uns an den wilden Limonen, die wir schon auf dem Hinweg genossen hatten!
Dann entdeckt Ricky eine Schildkröte, die er gleich auf seine Schulter lädt.
Lebender Proviant wie bei den Pygmäen ?



                                        Ricky hat eine Schildkröte entdeckt




Aber nein, unsere Begleiter haben nur Angst, dass es dem Reptil so weit vom Wasser entfernt nicht gut geht. Tatsächlich, als wir den Bach beim "Fischlager" El Arroyo erreichen, setzt Ricky die Schildkröte ins Wasser, die nach einer Zeit der Benommenheit davon schwimmt.
Ab und zu sehen wir etwas von der manchmal bizarren Tierwelt des Waldes, seien das gelenkige Klammeraffen, oder ein Nachtfalter, mit langem Hals und zwei "Augen" auf den Flügeln, der eine Spannweite von ca. 15 Zentimetern hat!


                                             Bizarrer Schmetterling

Zwar wundere ich mich, dass Guido und Ricky ihre Wasservorräte nicht am Bach auffüllen. Nun ja, bis dort wo wir beim Graben auf Wasser gestoßen waren, ist es nicht allzu weit.
Dummerweise stellt sich dann aber heraus, dass der Grundwasserspiegel inzwischen weiter gesunken ist, und wir dort kein Wasser mehr finden!
Guido schlägt vor, bis zum Rand der Pampa zu gehen, und dann morgen früh bei Zeiten den Bach von Los Fierros zu erreichen.
Ich sehe keine andere Möglichkeit und stimme daher dem Vorschlag widerwillig zu, wohl wissend, dass Silvia bereits ziemlich erschöpft ist...
Doch für alle Mühen entschädigt der fantastische Wald, aus dem manchmal riesige, Bananen ähnliche Blätter ragen.


                                      Tief im Wald    

Wir rationieren unser Wasser mal wieder und erreichen schließlich mit hängenden Zungen, den Rand der offenen Savanne, wo wir unser Lager aufschlagen. Da unsere Begleiter kaum noch Wasser haben, wollen sie nicht kochen. Glücklicherweise haben wir noch genug Müsli, daher kann ich ihnen davon etwas geben.
Leider stellt sich das Lager als wahren Bienenhölle heraus. Während Silvia unterm Moskitonetz verschwindet, um dem Dauerstress, den die Insekten verursachen, zu entgehen, unternehme ich noch einen Spaziergang, denn still im Lager zu sitzen ist kaum auszuhalten...
Wir wollen am nächsten Morgen sehr früh aufbrechen, um so der Plage zu entgehen, sind leider aber etwas zu spät. Erst nach einigen Versuchen gelingt es uns das Zelt abzubauen, dabei bin ich außer mir und schimpfe wie Rumpelstilzchen. Die Bienen hier sind von der stechenden Variante, daher bleibt es bei den Massen die hier hausen nicht aus, dass man sich etliche Stiche einfängt...Glücklicherweise reagiert niemand von uns allergisch...
Mit unserem letzten Wasser erreichen wir Los Fierros und trinken uns erst einmal voll. Nach den ausgestandenen Strapazen wollen wir den Rest des Tages hier relaxen.
Später folge ich eine Zeit lang dem von dem Schweizer Filmteam frei geschlagenen Pfad zur Laguna Chaplin.
Auf der Meseta hatten wir schon ein Gürteltier gesehen, aber ich bin doch überrascht, als es raschelt und eines der kleinen, urtümlich wirkenden Panzertiere an mir vorbei läuft...
Am nächsten Tag laufen wir weiter durch den Wald zurück Richtung La Florida. Besonders früh am Morgen können wir einige der schönen Schmetterlinge bewundern, die hier leben. Besonders hat es uns der blau schillernde, große Morphofalter angetan. Meistens sieht man ihn nur als schillernden Reflex von Blau taumelnd durch das Grün fliegen, aber heute lässt sich einer sogar auf der Hand fotografieren!


                            Morphoschmetterling            


                         Dieser "zerrupfte" Schmetterling ist
                 wohl einem Angriff entronnen




Wieder führen wir pro Person sechs Liter Wasser mit. Zwar würde man am liebsten ständig trinken, aber ich schaffe es bis 14 Uhr nur mit einem Liter auszukommen.
Die ganze Zeit warten wir schon darauf, dass Guido uns den alten Dschungeltrick zeigt, wie man aus einer Liane klares Wasser gewinnt. Na ja, als er schließlich eine Erfolg versprechende Schlingpflanze mit der Machete durchhaut, kommen nur wenige Tropfen...



                                Lianen sind hier kein ergiebiger Wasserspender


                               Nur noch wenig Wasser

Auch unser letztes Lager entpuppt sich noch einmal als wenig heimelig: Zu den üblichen Bienen kommen Scharen von Ameisen und es wimmelt von Zecken...

Nach wenigen Kilometern Marsch sind wir überrascht, als wir am nächsten Morgen plötzlich auf einer breiten Piste stehen. Guido hatte uns davon erzählt, dass das Dorf plant, die Verbindung nach Los Fierros wieder frei zuschlagen. Und tatsächlich, wenig später treffen wir auch auf eine große Crew, die mit Macheten und Motorsägen daran arbeitet, die ehemalige Piste wieder befahrbar zu machen. Auch Ranger der Nationalparkverwaltung sind dabei. Immerhin kann man mit dem Moped schon den Weg befahren, daher lehnen wir das Angebot auch nicht ab, auf dem Rücksitz der Knatterkisten zum Paragua zu fahren.
Es scheint tatsächlich, als ob in der Zukunft versucht wird, den Tourismus im Noel Kempff Mercado Nationalpark wieder zu beleben. Aber wir sind froh, dass wir das Gebiet noch einsam und offenbar unberührt erlebt haben, auch wenn die Tour teilweise ziemlich mühsam war...


                                                  Erneuerung der Piste 

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