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23.12.2013

Zaire 1991 - Jäger des Waldes 2



Beim Frühstück am nächsten Morgen lerne ich die restlichen Missionare der Station Poko kennen. Insgesamt arbeiten hier drei Pater, zwei Brüder die keine Priester sind und drei Schwestern. Sie kommen alle aus Deutschland. Ebenso wie in den italienischen Missionen gibt es auch hier kein afrikanisches Essen. Wurst aus Deutschland, Vollkornbrot und Bratkartoffeln bestimmen den Speiseplan. Es muss sehr schwierig und teuer sein deutsches Essen hierher zu schaffen. Allein die Post braucht ein halbes Jahr bis sie, wenn überhaupt, eintrifft.

Viele der Ordensleute sind schon seit Jahrzehnten hier und haben viel erlebt. Ein einschneidendes Ereignis war die Simba Rebellion 1964. Die Rebellen wollten den noch heute herrschenden Diktator Mobutu stürzen. Gleichzeitig wollten sie den, vier Jahre nach der Unabhängigkeit, ihrer Meinung nach immer noch zu starken Einfluss der Weißen zurückdrängen. Überall in Ost-Zaire wurden zahlreiche Missionare getötet. Poko hatte Glück, der Anführer der Rebellengruppe, die hierher kam, war ein Missionsschüler und verschonte seine ehemaligen Lehrer. Offenbar war der Unterricht ganz gut!


Nach dem Frühstück gehe ich zu Schwester Elisabeth in die Zahnstation. Es gibt bei ihr sogar einen richtigen Behandlungsstuhl mit Motor!

Bei der Untersuchung stellt sich heraus, dass die Lücke, die ich mit der Zunge fühlen kann, von einer verlorenen Plombe stammt. Es war bei dem Überfall in Kenia also doch kein Stück von einem Zahn abgesplittert. Trotzdem war es richtig mit den Zahnschmerzen hierher zu gehen, denn an zwei Zähnen ist Karies. Die Schwester ergänzt die verlorene Füllung und setzt zwei weitere Plomben ein. Anschließend helfe ich ihr beim Tabletten zählen. Sie beklagt sich über ihre unzuverlässigen schwarzen Helfer, bei denen häufig Medikamente verschwinden würden.

Ich habe bereits erfahren, dass der Einzugsbereich der Mission bis in den Regenwald reicht, wo auch Pygmäen leben. Ich möchte versuchen die Kontakte der Mission zu nutzen, um dort ein weiteres Mal mit den kleinen Jägern in den Wald zu gehen. Pater Clemens, dem ich abends von diesem Plan erzähle, will mich dabei unterstützen. Wir sind uns sofort sympathisch, während ich bei den anderen Missionaren eine gewisse Zurückhaltung gegenüber dem "Herumtreiber" bemerke, der nur so zum Spaß durch Afrika zieht.

22.12.2013

Zaire 1991 - Verirrt im Regenwald



Da heute Sonntag ist, gehe ich am Morgen mit den Schwestern zur Messe. Wir verbringen wieder zwei Stunden in der Kirche, die aber nicht so voll ist, wie beim Besuch des Bischofs. Anschließend essen wir original italienische Spaghetti.

Nachmittags gehe ich zurück zum Dorf am Fluss. Die Efe tanzen, allerdings längst nicht so aufregend, wie beim letzten Mal. Der vermisste Hund ist von selbst zum Dorf zurückgekehrt.

Nachdem ich neue Vorräte gekauft habe, will ich mit Augustin zu den Pygmäen marschieren. Wir kommen aber nicht über den Fluss, da jemand mit der Piroge unterwegs ist. Nach längerer Suche finden wir ein anderes Boot und setzen über. Ich bin erstaunt, dass am anderen Ufer inzwischen ein neues Rundhüttenlager entstanden ist. Die Sonne geht bald unter, daher beschließe ich, heute noch nicht weiterzumarschieren. Offenbar hat es sich unter den Efe herumgesprochen, dass ich die Leute, die mit mir unterwegs sind, wie Augustin und Bambou, gut bezahle. Der Efe Massua, den ich bislang noch nicht kenne, bittet mich mein Führer sein zu dürfen. Augustin empfiehlt ihn mitzunehmen, also willige ich ein.

21.12.2013

Zaire 1991 - Jäger des Waldes 1

Auf meiner großen Afrikareise 1990/1991 begleite ich Pygmäen im Regenwald von Zaire, dem heutigen Kongo, auf der Jagd



Ich habe Glück. Heute ist Freitag, und im Niemandsland zwischen Zaire und Uganda findet der wöchentliche Markt statt. In einem Matatu fahre ich zur Grenze. Der gute Geruch von frischem Gras liegt in der Luft. Das Ruwenzorigebirge ist leider wolkenverhangen. Die ugandischen Zöllner machen mir keine Probleme, und bald bin ich unterwegs zu dem vier Kilometer entfernten zairischen Posten. Sehr viele andere, mit Handelswaren beladene Leute, sind auch auf der Straße.

Ich habe ein einerseits erwartungsvolles, andererseits auch etwas mulmiges Gefühl.

Nach dem, was ich gelesen habe, ist Zaire eines der ursprünglichsten Länder Afrikas, in dem jede Reise ein faszinierendes Abenteuer darstellt.

Es ist aber auch bitter arm, voller tropischer Krankheiten, besitzt lediglich ein rudimentäres Verkehrssystem und verfügt über unberechenbares, nur selten bezahltes Militär.