Am nächsten Morgenich steige abwärts durch die Zwergbirkentundra in den Wald oberhalb der Schlucht des Clear River. Obwohl teilweise steile Klippen das Ufer begrenzen, finde ich einen guten Weg abwärts. Der Fluss ist nicht allzu breit und wild. Aber wo ich ankomme, gibt es keine gute Stelle zum Anlanden auf der anderen Seite, daher wate ich an der Steilwand ein Stück flussauf. Bald muss ich allerdings erkennen, dass hier das Wasser zu tief wird und kehre wieder um. Also gehe ich noch ein Stück flussabwärts und gelange an eine Stelle, wo viele kleine Wellen Steine unter der Oberfläche verraten und es so aussieht, als wäre der Fluss hier durchwatbar. Ich ziehe Hose und Unterhose aus und wage mich dann in den Fluss. Der stellt allerdings kein Problem dar. So gelange ich gut auf die andere Seite und ziehe mich wieder an, nachdem ich Socken und Schuhe ausgewaschen habe.
Nachdem ich vom Fluss aufgestiegen bin, laufe ich sehr lange, durch sanft abfallende Zwergbirkentundra, wo der Red Star Mountain mit seiner auffälligen Farbe langsam näher kommt. Später geht es recht viel auf-und ab in teilweise bewaldete Täler. Schließlich gelange ich in ein Waldbrandgebiet, wo sowohl die Fichten, als auch die Zwergbirken größtenteils verbrannt sind. Zwar riecht es hier nach Asche und es ist nicht gerade die schönste Umgebung, dennoch schlage ich hier schließlich auf einem kleinen Hügel mein Lager auf.
In der Nacht ist es dann ziemlich windig, so das ich meine Häringe mit einem Stein tiefer einschlage. Das funktioniert gut und die Böen können meinem Camp nichts anhaben.
Clear River
Der Fluss lässt sich erstaunlich problemlos durchwaten
Wollgrasmeer
Red Star Mountain
Lager in einem Waldbrandgebiet
Am nächsten Morgen erreiche ich bald den North Fork des Koyukuk Rivers. Allerdings komme ich nicht gut an den Fluss heran, aber kein Problem, ich lasse mein Packraft von der steilen Uferböschung ins Wasser und die Überfahrt ist dann kein Problem.
Anschließend geht es aufwärts in Richtung eines markanten Taleinschnitts. Stellenweise geht es durch dichten Erlenwald, mit verschlungenen Zweigen, durch die ich mich zwängen muss. Als ich das Tal erreiche, kann ich zunächst gut oberhalb der Schlucht laufen, bis das Terrain zu steil wird und ich zum Bach absteige. Zwar ist mir bewusst, dass ich in einer Sackgasse enden könnte, dennoch erscheint mir der Bachlauf als beste Möglichkeit weiter vorzudringen. Tatsächlich laufe ich über weite Strecken im Wasser. Obwohl es eigentlich warm ist, werden meine Füße dabei ziemlich kalt. Manchmal kann ich aber auch in trockenen Nebenarmen laufen, die wohl nur bei Überschwemmungen Wasser führen. Die Schlucht steigt immer steiler an und wird noch enger, dann versperrt ein massiver Eisbrocken anscheinend den kompletten Durchgang. Bei näherem Hinsehen stelle ich glücklicherweise fest, dass das Wasser das Eis bereits komplett untertunnelt hat, und ich problemlos aufrecht durch die Höhle laufen kann, wenn ich auch ständig von den Wassertropfen der tauenden, kalten Masse getroffen werde.
Ich bin heilfroh, dieses Hindernis bewältigt zu haben, beschließe dann aber besser die Schlucht zu verlassen. Ein Erdrutsch scheint mir dafür geeignet, auch wenn ich am Rand in den Weiden hochklettere, um nicht erneut das Ganze zum Rutschen zu bringen. Anschließend muss ich mich noch lange extrem mühsam durch Weiden und Erlen an dem steilen Hang quetschen. Schließlich wird die Vegetation aber offener und das Terrain weniger steil. Von oben sehe ich, dass die Schlucht noch lange weiter eng bleibt, ob ich da wohl weiter gekommen wäre?
Allerdings freue ich mich zu früh, zwar ist das Vorankommen jetzt einfacher, aber immer noch habe ich einige steil eingeschnittene Seitenschluchten zu bewältigen. Schließlich kann ich aber tatsächlich aufatmen und das letzte Stück zum Pass führt kaum ansteigend durch ein weiteres Blumenparadies.
Auch der Abstieg ist ziemlich flach. Bevor die Zwergbirken dann dichter werden, schlage ich auf einem kleinen Hügel mein Lager auf.
Ich trockne mein Boot am North Fork Koyukuk
Mühsam!
Noch kann ich oberhalb der Schlucht laufen
Felsige Schlucht
Der Bach ist mein Weg
Im Bachbett komme ich am Besten voran
Der Bach hat das Eis untertunnelt
Glücklich aus der Eishöhle gelangt
Immer wieder habe ich eingeschnittene Seitentäler zu bewältigen
Hügel im Zwergbirkenmeer
Nachdem ich ins Tal abgestiegen bin, geht es am nächsten Tag hoch zu einem auf beiden Seiten sanften Pass. Als ich dann im Hang weiter laufe, erschrecke ich fast, als ein Elch aus einem eingeschnittenen Seitental aus nur etwa zehn Metern Entfernung ein Stück flüchtet, dann aber stehen bleibt und mich mustert. Schließlich läuft er weiter und trifft einen anderen Elch mit dem er schließlich zusammen weiter läuft. Später steige ich wieder auf zu einem niedrigen Pass, wo ich unterhalb eine Elchkuh sehe und dann mein Lager aufschlage. Auf einem kleinen Abendspaziergang versuche ich dann noch einen Überblick auf die morgige Route zu erhalten.
Zwergbirkenmeer
Sanfter Passanstieg
Blumenteppiche
Auch auf der anderen Seite geht es relativ gemäßigt runter
Auf den Pass
Der Elch mustert mich lange
Am nächsten Morgen geht es nach unten und dann in das Seitental, dass ich schon gestern ausgemacht hatte. Zunächst kann ich den Pass noch nicht sehen und denke, dass ich am Besten einem steinigen Rücken nach oben folge, später beschließe ich dann aber, dem Tal weiter aufwärts zu folgen. Als dann aber der Pass in Sicht kommt, sieht er sehr steil aus und ich bezweifele ob er machbar ist. Daher gehe ich dann ein Stück zurück und steige an einer Stelle hoch zu dem felsigen Grat, die ich vorher schon als machbar eingeordnet hatte. Tatsächlich komme ich problemlos nach oben und auch die andere Seite ist gut machbar. Als ich später aber zurückschaue, sieht die Abstiegsroute ebenso steil aus, wie der Pass, an dessen Machbarkeit ich gezweifelt hatte.
Voraus erscheinen jetzt die schroffen Gipfel der Endicott Mountains, die teilweise aus Kalkstein zu bestehen scheinen.
Weiter unten verengt sich dann das recht felsige Tal in das ich absteige, so dass ich einmal die Seite wechseln muss.
Schließlich folge ich dem breiten Tinayguk Tal, zunächst über Sumpfwiesen. Später wachsen aber auch Fichten und Pappeln in den Seitentälern. Abends ist es düster und bewölkt, später in der Nacht entlädt sich dann ein heftiges Gewitter mit sintflutartigem Regen, aber mein Zelt hält gut stand.
Hier geht es in das Seitental
Mohn
Zunächst folge ich dem Seitental aufwärts
Ich überschreite den Grat
Steile, felsige Kämme
Die schroffen Endicott Mountains erscheinen
Ins Tinayguk Tal
Ich breche gegen sechs auf und stehe bald am Tinayguk River, den zu durchwaten überhaupt kein Problem darstellt. Anschließend geht es lange durch einen erstaunlich dichten, und üppigen Wald mit relativ großen Fichten und auch vielen Balsampappeln. Natürlich ist der Unterwuchs meistens sehr dicht. Die Orientierung hier ist nicht ganz einfach und die Vegetation ist noch klatschnass, so dass auch meine Hose bald ziemlich durchnässt ist und ich die Regenjacke überziehe. An einer Stelle sehe ich ein Waldhuhn, das sich in einer Baumkrone niederlässt und einige Küken, die in der Nähe aufgeflogen sind. Eigentlich gefällt mir der Wald hier ziemlich gut, aber die Nässe und auch die Mücken machen es denn doch nicht so schön. Die Berge sind komplett in Wolken, es ist größtenteils grau und ungemütlich. Irgendwann komme ich aus dem Wald und laufe über offene, relativ sumpfige Flächen. Hier komme ich schneller voran, aber ich sehe auch, wie dunkel es ist und fürchte, dass es bald regnen wird. Daher schlage ich schon gegen 8:15 Uhr an einer passenden Stelle mein Zelt wieder auf. Das ist auch gut, denn ich bin von der Nässe ziemlich durchgefroren, so dass ich mich erst mal ein wenig aufwärmen will und warten, wie sich das Wetter entwickelt.
Als ich um 11:30 Uhr weiterlaufe, ist es deutlich wärmer und die Berge sind nicht mehr komplett in Wolken. Durch offenes Terrain laufe ich zu einem Taleinschnitt. Das Tal ist ziemlich steil und verblockt. Als ich an einer Stelle ein Schneefeld umgehen muss, ist das sogar etwas haarig...
Schließlich wird das Gelände aber flacher und steigt nur noch langsam an zum Pass. Darunter erstreckt sich ein größerer See.
Da es nicht mehr weit bis Anaktuvuk Pass ist, schlage ich dann schon recht früh mein Lager im Tal auf.
Am Morgen nach dem Gewitter
Teilweise kann ich Wildwechseln folgen
Dichter Fichten- und Pappelwald
Nass, grau und trüb
Nachmittags ist es freundlicher
Ein steiles, felsiges Tal
Unter dem Pass erstreckt sich ein See
Am nächsten Morgen ist es ziemlich grau, aber warm und "Mückig". Bald gelange ich auf eine Fahrspur, der ich bis vor Anaktuvuk Pass folge. Unglaublich wie schnell 7 Kilometer auf einem Weg zurückgelegt sind!Erst recht spät sehe ich den Ort in dem 300-350 Menschen leben. Da ich im Internet nicht wirklich herausfinden konnte, ob es hier eine Unterkunft gibt, frage ich einen Arbeiter und erfahre dass es lediglich eine Baracke gibt, in der auch er untergekommen ist.
Ich beschließe dann erst mal zur Post zu gehen, die aber auch geschlossen ist. Da fährt jemand mit platten Reifen vor, der sich als der Manager des Dorfladens herausstellt. Der junge Mann ist sehr hilfsbereit und ruft Roger an, der prompt erscheint und mit mir zu der Unterkunftsbaracke fährt, die er aufschließt. Eigentlich gibt es nur 2-Bettzimmer, aber für den seltenen Fall, dass hier eine Frau auftaucht, gibt es auch eines für eine Person, das ich dann auch erhalte. Ich würde sagen, das Niveau der Herberge entspricht vielleicht einem billigen Hostel, aber der Preis beträgt schlappe 250 Dollar!
Na ja, immerhin kann ich aufladen, duschen und Wäsche waschen. Außerdem gibt es wlan. Später gehe ich dann noch im Dorfladen einkaufen, aber die Post öffnet heute tatsächlich nicht. Roger erklärt mir, das das häufiger vorkommt, ich aber Glück habe, da er den Postmann gesehen hat und dieser nicht auf einem Jagd- oder Fischausflug ist. Ich hoffe, dass ich dann morgen meine Verpflegungspakete erhalte...
Ein trüber Morgen
Anaktuvuk Pass kommt in Sicht
Hier zu übernachten kostet 250 Dollar
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen