Im Sommer 2026 erfülle ich mir einen alten Traum: Ich wandere durch die Brooks Range in Alaska, das weltweit größte Hochgebirge, das komplett in der Arktis liegt. Auf einer Breite von etwa 1100 Kilometern, wird die Brooks Range lediglich von einer Straße gequert, dem Dalton Highway, der Anfang der 70'er Jahre zur Erschließung der Ölfelder am Eismeer gebaut wurde. Diese Schotterstraße ist der Ausgangspunkt für mein Abenteuer.
Von Frankfurt fliege ich nach Fairbanks, der zweitgrößten Stadt Alaskas. Nachdem ich dort logistische Dinge, wie den Versand von Paketen in zwei abgelegene Dörfer erledigt habe, trampe ich nach Norden. Für die etwa 700 Kilometer, meist auf Schotter, benötige ich lediglich einen Tag. Besonders eindrucksvoll ist die Fahrt mit einem großen Tanklastzug.
Zum Start meiner Wanderung Anfang Juni ist der Frühling noch kaum in der Brooks Range eingekehrt. Nach dem kältesten Winter seit Beginn der Aufzeichnungen, der gleichzeitig viel Schnee gebracht hat, sind die Bedingungen ziemlich ungemütlich. Das bemerke ich vor allem am dritten Tag, als ich den ersten Pass überqueren will. Dabei muss ich erkennen, dass einfach noch zu viel Schnee liegt, in den ich bei jedem Schritt tief einsinke. Kurzerhand plane ich meine Route um, damit ich in tiefer gelegenen, größtenteils bewaldeten Tälern laufen kann. Dadurch verlängert sich die geplante Strecke erheblich und ich weiß nicht, ob ich in wahrscheinlich dichterer Vegetation schnell genug vorankommen werde, um mit meinem Proviant für 16 Tage auszukommen.
In den nächsten Tagen zeigen sich die ersten Weidenkätzchen und irgendwann erscheint das Grün der Zwergbirkenblätter. Für die Überquerung der großen Flüsse, wie dem Wind River ist mein kleines Packraft unerlässlich. Zunächst bin ich etwas skeptisch, ob ich mit der weniger als ein Kilo wiegenden Nussschale durch die Schneeschmelze angeschwollene, teilweise ziemlich wilde Flüsse überqueren kann, aber alles geht gut. Zwar habe ich auch viele sumpfige Abschnitte zu bewältigen, aber insgesamt komme ich gut voran. Die Flusstäler inmitten der noch ziemlich verschneiten Berge bieten großartige Landschaftseindrücke und das Wetter ist bald ziemlich gut. Das zaubert auch die ersten Mücken hervor, eine Plage, die mich dann durchgehend in den nächsten Monaten begleitet. Während ich auf die verzichten könnte, freue ich mich stets über Frühlingsblumen, wie Küchenschellen, mit denen ich in Alaska nicht gerechnet hatte. Schließlich erreiche ich nach 15 Tagen Arctic Village, ein Dorf der Gwiichin Athabasken. Dort hole ich mein Verpflegungspaket für den nächsten Abschnitt von der Post, und kann in einer ehemaligen Schule schlafen und meine Powerbänke wieder aufladen.



































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