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29.11.2019

Durch die Berge des Lichts 6




Schon um 6:20 breche ich auf. Der weitere Abstieg über Granitplatten und Kiefernwald zum Spiller Creek stellt kein Problem da. Dann folge ich dem Bach recht lange durch abwechslungsreichen Wald abwärts. Die Kiefer dominiert, dichtere und offenere Flächen wechseln sich ab. Das Vorankommen ist unproblematisch. Einige Male sehe ich sogar Fußabdrücke. Aber ausser Bärenlosung und einigen Kleinvögeln sehe ich keine Tiere. Gegen 8::30 gelange ich auf den PCT. Wahnsinn wie gut ausgebaut der  Weg ist, mit Treppenstufen und Wasserableitungen!
Bald begegnen mir zwei Wanderer, die rasch weiter hetzen. Zu meiner Freude wachsen hier einige Zedern, zwar nicht gigantisch, aber immerhin mit bis zu 2 m Durchmesser, ein wenig den berühmten Mammutbäumen ähnelnd, die es aber nur in einem kleinen Bereich auf der Westseite der Berge gibt, Mit ihrer rauhen, roten Borke und den zypressenähnlichen Nadeln sind sie sehr auffällig. Es gibt hier aber auch mächtige Ponderosa Kiefern mit grober eichenähnlicher Rinde. Schon nach einer guten halben Stunde erreiche ich eine Kreuzung und wandere einen Pfad den Virgin Creek aufwärts, der sich stellenweise durch enge, glatte Granitklammen wälzt.
Im Wald entdecke ich ein graues Hörnchen, das sich aber nicht fotografieren lässt. Kurz danach treffe ich Jennifer, eine Wildtierbiologin, die mit ihrem schwarzen Hund an der Leine unterwegs ist. Sie arbeitet in einem Projekt, dass die Verbreitung von Pumas und Sierra Rotfüchsen untersucht. Dazu sucht ihr trainierter Hund nach Kot der beiden Arten. 
Jennifer weiß, dass es hier früher Grizzlys und Wölfe gab, bei Wapitis und Elchen ist sie nicht sicher.
Etwas später, um 10:30, gelange ich zurück auf die Yosemite High Route, durchwate Virgin Creek barfuß und steige dann weglos durch einen tollen, schattigen Tannenwald nach oben.
Der Abstieg durch glattrindigen Lodgepole Kiefern Wald ist weniger lang. Es hat sich teilweise bewölkt und regnet einige Tropfen.
Meine Schokopause mache ich am McCabe Creek am Rand einer mit Granitblöcken bedecken Grasfläche. Vorher habe ich eine abgehende Maultierhirschkuh gesehen. Im Bach schwimmen kleine Fische. Leider sind zu den Mücken jetzt auch kleine, beissende, schwarze Fliegen hinzu gekommen...
Ich steige am Bach aufwärts durch recht dichten Wald und erklimme dann einen Hang voller Granitplatten. Oben erwartet mich der von steilen Felshängen umgebende McCabe Lake. 
Es sieht stark nach Gewitter aus und beginnt zu regnen, daher baue ich mein Ponchotarp auf.
Es regnet erst nur wenig, dann gewittert es mit großen Hagekörnern. Das Gatewood Cape bewährt sich hervorragend! Nach zwei Stunden, gegen 16 Uhr, kommt die Sonne wieder hervor.
Es sieht aber noch sehr unsicher aus, und donnert weiter, daher beschließe ich zu bleiben. Am gegenüberliegenden Ufer steht ein Zelt, ich gehe hin und unterhalte mich kurz mit dem Mann des mittelalten Paares aus L. A, das hier eine kurze Tour macht.
Nach dem Gewitter unternehme ich noch einen Abendspaziergang zu einem Pass mit Aussicht auf die anderen McCabe Seen. Die Sonne ist zurück und lässt die Landschaft im milden Abendlicht erstrahlen.

Später gibt es noch einen farbigen Sonnenuntergang zu bestaunen und der halbe Mond erscheint.

                                             Abstieg zum Spiller Creek


                                                         Weglos am Spiller Creek

                                          Granitplatten

                                             Wanderautobahn PCT


                                                  Duftzeder

                                                                                 PCT


                                                                    Virgin Creek

                                        Die Wildbiologin Jennifer

                                                   Majestätischer Tannenwald

                                                               Heideblüte


                                                                             Mc Cabe Creek


 Blick zurück ins Tal des Mc Cabe Creek

                                                  Ein Gewitter kommt auf

                               

                                                                           Gewitterstimmung

                                        McCabe Lake


                                                      Das Gewitter ist bald vorbei

                                              Sonnenuntergang am McCabe Lake


                                                 Sonnenuntergang













28.11.2019

Durch die Berge des Lichts 5





Wahrscheinlich fragen sich viele Leser, warum ich meine Sierra Nevada Wanderung "Durch die Berge des Lichts" genannt habe. Nun, leider stammt dieser poetische Ausdruck nicht von mir, sondern von John Muir, einem Pionier des Naturschutz und großem Wanderer, dem letzten Endes die Einrichtung des Yosemite Nationalparks zu verdanken ist. Und tatsächlich hat das Licht hier eine ganz besondere Qualität, die die Granitberge meist in einem faszinierendem Glanz erstrahlen lässt. Letzten Endes ist die Wüste nicht weit, und das macht sicher auch viel von der Stimmung in diesen ungewöhnlichen Bergen aus.

27.11.2019

Durch die Berge des Lichts 4




Ich hatte ja bereits erwähnt, dass die Yosemite High Route, auf der ich jetzt laufe, von Andrew Skurka erkundet wurde. Im Gegensatz zu anderen Wanderrouten, die im Netz frei verfügbar sind, muss man diese für 25 Dollar von Skurka kaufen. Dafür erhält man einen sehr groben Track für das GPS und eine Sammlung von detaillierten Karten, als pdf- Dateien, auf denen wichtige Punkte der Route eingezeichnet sind. Ich hatte mir diese Karten nicht ausgedruckt, sondern lediglich auf dem Smartphone gespeichert. M Zu Hause am Bildschirm hatte ich dann mit der Gaia- app einen eigenen Track gezeichnet. Für die Navigation hier in der Sierra nutze ich also eine Kombination aus meinem Track und den gespeicherten pdf- Karten. Das funktioniert recht gut, führt aber keineswegs dazu, dass ich dem Gerät "blind" folgen kann. Die genaue Route muss ich nach den tatsächlichen Geländegegebenheiten selber festlegen. Dieses System gefällt mir ganz gut, ich kann  mich an einer vorgegebenen Route orientieren, die aber noch mehr als genug Spielraum für eigene Entscheidungen lässt!

26.11.2019

Durch die Berge des Lichts 3





Als ich morgens aufwache,  sind Schlafsack und Zelt klitschnass von Kondensationsfeuchtigkeit.
Ich nehme meine Sachen und frühstücke draußen, wo es weniger kalt als gestern ist. 
Die Mücken sind allerdings schon aktiv...
Kurz nach 6 Uhr setze ich meinen Weg durch beeindruckenden Tannenwald mit bis zu zwei Meter dicken Bäumen fort.

25.11.2019

Durch die Berge des Lichts 2





Für den ersten Teil meiner Wanderung möchte ich der Yosemite High Route folgen, die größtenteils weglos durch den Yosemite Nationalpark und angrenzende Wildnisgebiete führt. Sie wurde von Andrew Skurka entwickelt, einem sehr bekannten amerikanischen Wanderer, der Berühmtheit durch seine Umrundung Alaskas und des Yukon Territory erlangte. Tatsächlich hatte er davor sogar Kontakt mit mir und integrierte einen Teil meiner Yukon Tour in seine Route! Skurka veröffentlichte seine Yosemiteroute erst in diesem Jahr, daher werde ich unter den ersten sein, die sie erkunden. Die Hauptstrecke umfasst etwa 150 Kilometer, zunächst nutzt sie aber den Pacific Crest Trail als nördlichen Zugang. Da die Yosemite High Route eine Art Acht beschreibt, werde ich nur eine Teilstrecke in meine Wanderung integrieren.

24.11.2019

Durch die Berge des Lichts 1

Erst gegen Mitternacht landet mein Flugzeug in Reno, wo es bereits am Airport Spielautomaten gibt...
Las Vegas ist ja gut bekannt, als Spielerparadies, aber auch Reno, die Hauptstadt Nevadas ist vom Glücksspiel geprägt.
Das Motel, welches ich für die erste Nacht gebucht hatte, ist nur 5 Gehminuten vom Flughafen entfernt, und nach der langen Reise, mit Zwischenstationen in London und Dallas, kann ich endlich in die Federn sinken.
Erst gegen Mittag checke ich aus und bin bald wieder
am Airport wo schon der kleine Bus von Eastern Sierra Transit vor der Gepäckausgabe einfährt.
Den Bus hatte ich bereits zu Hause online reserviert. Schnell merke ich, dass außer mir auch noch andere Wanderer dieses nette Transportmittel nutzen, um in die Berge zu kommen. Ich unterhalte mich kurz mit zwei Männern, die den John Muir Trail laufen wollen, ein 360 Kilometer langer, sehr populärer Wanderweg, der durch die Sierra Nevada führt. 
13:40 fahren wir los, lediglich 9 Fahrgäste, davon 5 Wanderer. Schon von Reno aus sind Berge mit Schnee zu erkennen. Bald verlassen wir die Autobahn und fahren hinter Carson City am östlichen Rand der Sierra entlang. Eine trockene Landschaft, aber auf den Hängen wächst auch dunkler Nadelwald.
Minden ist ein netter Touristenort.
Bei einer Pause am Truckstop von Walker esse ich ein Eis. Gegen 16 Uhr verlasse ich an der Sonora Junction den Bus, der mich 28 Euro gekostet hat. 
Bald halte ich den Daumen raus. Tolle Freiheit, das Abenteuer beginnt!
Es fahren einige Autos vorbei, aber nach 40 Minuten hält ein junges Paar. Deutsche aus Bielefeld, die für 3 Wochen durch den Westen reisen. Die Beiden sind sehr interessiert an meiner Tour und wir unterhalten uns gut. 
Die Straße steigt an und die Landschaft wird immer schöner.
Gegen 17 Uhr haben wir den Sonora Pass auf 2700 m erreicht.
Es ist hier deutlich frischer, aber schön und sonnig. Wir machen noch einige Fotos, dann gehe ich los auf dem Pacific Crest Trail, dem berühmten Weitwanderweg, der von Mexico nach Kanada führt. Einige geparkte Autos verraten, dass die Gegend hier recht beliebt ist. Auf schönem Pfad geht es durch offenen Kiefernwald aufwärts. Schon bald gelange ich an einen Bach und schlage gegen 17:30 das Lager auf, mit toller Aussicht auf offenen Wald, Matten und schroffe, rötliche Felsen.
Ich baue mein Gatewood Cape Poncho Tarp auf und esse 200 g Haferflocken, mit 100 g Erdnüssen, Kakao und etwas Butter. Auch auf dieser Tour verzichte ich auf warme Mahlzeiten...
Es ist leicht windig bei 13 Grad und als die Sonne verschwindet wird es frisch. Ich unternehme noch einen kurzen Abendspaziergang querfeldein und lege mich dann aber bald hin. Die Nacht ist recht frisch und windig, aber mein neuer Katabatic Gear Alsek Quilt, der ca. 700 g wiegt und mit Daunen gefüllt ist, wärmt gut.
Zwar bin ich heute nur ein kleines Stück gewandert, aber große Vorfreude erfüllt mich, dass morgen die Tour richtig beginnt!




                                                           Eastern Sierra Transit

                                       Sonora Pass

                                           Start auf dem PCT








                                                             Mein erstes Lager am Sonora Pass





23.11.2019

USA 2019- Der Plan



Die USA waren für mich schon immer das schönste Wanderland. Die landschaftliche Vielfalt des Westens ist unvergleichlich. Und obwohl die Vereinigten Staaten natürlich ein stark industrialisiertes Land sind, gibt es im Westen noch erstaunlich wilde Landstriche, nicht zuletzt, weil man hier frühzeitig erkannt hat, wie wichtig die Erhaltung der Wildnis ist. Nun hatte ich hier ja schon eine ganze Reihe von Reisen unternommen, die Letzte lag allerdings schon zehn Jahre zurück!
In Filmen, die im "Wilden Westen" spielen, fasziniert mich stets die Schönheit und Weite der Landschaft, Zeit diese wieder einmal selber zu erleben!
In diesem Jahr hatte ich ein Zeitfenster von August bis Ende Oktober für eine Tour. Während August und Anfang September gut für eine alpine Gegend sind, steigt danach die Gefahr eines frühen Wintereinbruchs rapide, der möglicherweise die Wandersaison schnell beendet. Außerdem wollte ich neben schönen Bergen mal wieder die wüstenhaften Landschaften des Südwestens erleben.
Also machte ich mich auf die Suche nach einer sinnvollen Kombinationsmöglichkeit. 
Die Sierra Nevada ist für  mich wohl das schönste Gebirge der Erde. Ich hatte dort schon einmal eine längere Tour unternommen, war aber von der Möglichkeit einer Durchquerung auf einer anspruchsvollen Route fasziniert. Der weltbekannte Pacific Crest Trail bietet sich an, allerdings schwebte mir eine weitgehend weglose Route vor, die überwiegend im alpinen Terrain verläuft.
In etwa einem Monat würde ich versuchen, das etwa 600 Kilometer lange Herzstück dieses Gebirges zu durchqueren, wobei es nur eine unvermeidbare Straßenquerung gibt!
Für die darauf folgenden beiden Monate, plante ich mit zwei Alternativen: Falls es die Temperaturen bereits erlauben, würde ich vom Mount Whitney, dem höchsten Berg der Sierra Nevada, ins Death Valley, dem tiefsten Punkt des Landes laufen, und von dort durch die Mojave Wüste weiter Richtung mexikanische Grenze wandern. Da mir klar, war, dass es Anfang September wahrscheinlich noch zu heiß und trocken für dieses Vorhaben sein würde, war mein Alternativplan auf wenig bekannten Wegen durch New Mexico und Arizona zu laufen. 
Dort würde ich zwar auch viel wüstenartiges Terrain durchqueren, was allerdings immer wieder von hohen Bergketten durchbrochen wird, und insgesamt weniger heiß und trocken als die Mojave Wüste ist. 
Beide Möglichkeiten versprachen in jedem Fall eine spannende, wunderschöne Wanderung!

Während ich bisher immer auf meinen Reisen Notizbücher mit meinem Tagebuch füllte, wollte ich zum ersten Mal auf dieser Reise direkt ins Smartphone schreiben, was auch gut funktionierte. Diese Möglichkeit möchte ich nutzen, um nun von Tag zu Tag zu bloggen, in erster Linie meine elektronischen Tagebucheinträge, mit vielen Bildern, ergänzt mit Informationen zu den durchwanderten Gebieten und praktischen Tips, für jemanden, der auch so eine Tour unternehmen möchte!

22.11.2019

Wild trails in New Zealand- summary and conclusions 2




5. Lewis Pass- Arthurs Pass




11 Tage, 154 Kilometer

A beautiful and rewarding route! Coming and going to the ridges is always tough, but it is so rewarding to walk for long on top of the world!

18.11.2019

Wild trails in New Zealand- summary and conclusions 1


                                                                             Most of my camps



The Idea:

I had three month's available and wanted to start a crossing auf the South Island, using the most scenic, remote and adventurous route. I was aware, that three month's wouldn't be sufficient to hike across all of the island, so my finishing point was not determined. The long distance trail TeAraroa crosses the Island as well, but I had planned on walking on it only occasionally.

16.11.2019

Auf wilden Wegen durch Neuseeland 9 - Finale auf dem Queen Charlotte Track



Als vorerst letzte Tour in Neuseeland laufe ich den Queen Charlotte Track, eine bekannte Küstenwanderung, die zu den "Great Walks" zählt, obwohl ein Teil des Wegs wegen Waldbrandgefahr gesperrt ist...

13.11.2019

Auf wilden Wegen durch Neuseeland 8 - Kahurangi 3





In diesem Abschnitt werde ich noch einmal den Kahurangi Nationalpark durchqueren, auf einer sehr schönen Route, die viele Höhepunkte beinhaltet, die  ich bei meinen vorhergehenden Wanderungen dort noch nicht gesehen hatte!

26.07.2019

Auf wilden Wegen durch Neuseeland 7 - vom Lake Tekapo nach Hokitika





Auf diesem Abschnitt wandere ich von der trockenen Graslandschaft am Lake Tekapo über die weiten Kiesebenen der Gletscherflüsse Rangitata und Rakaia zum Hauptkamm der Südalpen, und gelange schließlich entlang des Whitcombe River zurück nach Hokitika an der feuchten Westküste der Südinsel.

20.07.2019

Auf wilden Wegen durch Neuseeland 6 - vom Arthurs Pass nach Hokitika






Diese Etappe verläuft komplett auf der Westseite der Südalpen. Wie  ich bald merken sollte, erreicht die Wildheit Neuseelands hier neue Superlative...

03.06.2019

Auf wilden Wegen durch Neuseeland 5 - vom Lewis Pass zum Arthurs Pass








Der nächste Abschnitt führt mich weiter auf zum Teil abenteuerlicher Route durch die wilde Bergwelt der Südinsel.

29.05.2019

Auf wilden Wegen durch Neuseeland 4 Nelson Lakes





Auf dem Abschnitt von Murchison zum Lewis Pass durch den Nelson Lakes Nationalpark, gelange ich erstmals auf meiner Neuseelandtour durch alpine Landschaften.

24.05.2019

Auf wilden Wegen durch Neuseeland 3 - Kahurangi 2 Heaphy Track und Matiri Tops


Nach meinem gescheiterten ersten Versuch den Kahurangi Nationalpark zu durchqueren, möchte ich nun den Heaphy Track für einen erneuten Zugang benutzen. Dieser Weg gehört zu den bereits erwähnten Great Walks auf Neuseeland, und wird als solcher heftig beworben.
Mit 78 Kilometern ist er der Längste dieser Trails und Start sowie Endpunkt des Heaphy sind relativ schlecht zu erreichen. Aufgrund dieser Umstände wird der Weg verglichen mit anderen Great Walks eher wenig frequentiert. Was mich am Heaphy Track reizt, ist vor allem die Vielfalt der durchquerten Landschaften, von Bergen bis Küste, die viel Abwechslung verspricht.

16.05.2019

Auf wilden Wegen durch Neuseeland 2 - Kahurangi 1 Rückzug an den Drachenzähnen





Bereits früh am nächsten Morgen bin ich wieder unterwegs. Zunächst folge ich der Straße Richtung Nelson, biege aber schon bald auf eine Nebenstraße ab, die sich nach fünf Kilometern in eine Schotterpiste verwandelt. Ich wandere hier durch flaches, grünes Weideland voller schwarzer Rinder, in denen verstreut einige Farmhäuser stehen. 

                          Durch Farmland Richtung Kahurangi Nationalpark

Nach 11 Kilometern erreiche ich einen kleinen Parkplatz, wo Schilder darauf hinweisen, dass hier der Anatoki Track beginnt. Ab hier beginnt ein recht steiler Aufstieg über zugewachsene Pfade in Buschland, bevor der Wald im Nationalpark beginnt. 
Kahurangi ist mit 4500 qkm der zweitgrößte Nationalpark Neuseelands und wurde erst 1996 gegründet. Zwar erreichen die Berge hier nie die 2000 Meter Marke, aber die Mischung aus tiefen Waldtälern, schroffen Hängen und langen Graten macht diese Landschaft sehr attraktiv zum Wandern.

10.05.2019

Auf wilden Wegen durch Neuseeland 1 - Abel Tasman




Auch wenn ich schon seit Jahrzehnten wandernd durch die Welt ziehe, hatte ich merkwürdigerweise Neuseeland lange nicht wirklich auf dem Schirm. Das hat sich erst geändert, als ich die Bilder und Stories von meinem Freund Bernd gesehen und gehört habe. Bernd ist der bei weitem erfahrenste Wildniswanderer den ich kenne, und wahrscheinlich auch tatsächlich selbst weltweit gesehen, einer der meist gewandertsten Leute. Gegen ihn bin ich eher ein armes Waisenkind, was die Tourenbilanz angeht...
Wir waren ja auch schon zusammen unterwegs, http://geraldtrekkt.blogspot.com/2014/11/durch-das-land-der-namenlosen-berge-1.htmlhttp://geraldtrekkt.blogspot.com/2013/11/patagonien-1-die-hornopiren-traverse-1.html

daher weiß ich, dass wenn er eine Gegend gut findet, sie für mich in der Regel auch ein lohnendes Ziel ist. Und Neuseeland spielt für ihn ganz weit vorne, was gute Trekkingländer angeht!
Kurz gesagt, nachdem mir Bernd den Mund wässrig gemacht hatte, war mir klar, dass auch ich nach Neuseeland muss!
Neuseeland besteht aus zwei Hauptinseln, die etwa gleich groß sind, und insgesamt etwas kleiner als Deutschland. Dagegen beträgt die Bevölkerung nur knapp 5 Mio. Einwohner, im Gegensatz zu 83 Mio bei uns! Na ja, wenn man dann noch berücksichtigt, dass 80 % der Neuseeländer auf der Nordinsel leben, ist schon auf Grund dieser Zahlen klar, dass die Südinsel das bessere Ziel für einen Wildniswanderer darstellt, wobei der Norden des Landes natürlich auch einiges zu bieten hat...
Seit 2011 hat Neuseeland mit dem Te Araroa (TA) auch einen 3000 Kilometer langen Fernwanderweg, der über beide Hauptinseln führt, daher liegt es scheinbar nahe, diesen für die Erkundung der Südinsel zu nutzen. 
Allerdings macht schon ein Blick auf die Karte klar, dass der TA oft ausserhalb der Berge verläuft, und daher über weite Strecken nicht die attraktivste Route darstellt. Daher war bald mein Entschluss gefasst, auf  einer eigenen Linie aus verschiedenen Trails und auch weglosen Abschnitten, die Südinsel im Norden startend zu erwandern. Bei der Planung stellte es sich aber schon bald als klar heraus, dass drei Monate auf einer anspruchsvollen Route nicht ausreichen, um die ganze Insel zu durchqueren. Egal, ich würde eben so weit laufen, wie ich komme, und in einem anderen Jahr die Durchquerung fortsetzen...

03.05.2019

Auf dem West Coast Trail



Da meine Tochter Marie für ein Semester auf Vancouver Island studiert, liegt es nahe, zum Abschluss meiner Kanadareise den berühmten West Coast Trail zu laufen. 
Allerdings ist dieser stark reguliert, und es werden lediglich 75 Starterlaubnisse pro Tag vergeben, die man online reservieren muss. Da diese "Slots" oft schon auf Monate hinaus ausgebucht sind, schien es zunächst, als ob ich keine Chance hätte, den Trail zu wandern. Aber als ich von unterwegs wieder einmal checke, ob nicht doch ein Platz frei geworden ist, werde ich fündig und reserviere umgehend!

25.04.2019

Durch die kanadischen Rocky Mountains 7 Sasketchwan River-Jasper 2





Ich bin am nächsten Morgen noch nicht lange unterwegs, als das Tal des Brazeau River Oberlaufs unter mir abfällt. Während ich kurz innehalte um die Aussicht über das Tal zu geniessen, höre ich hinter mir Frauenstimmen und sehe dann auch bald zwei Wanderinnen mit offensichtlich sehr leichtem Gepäck raschen Schrittes auf mich zu laufen.

12.04.2019

Durch die kanadischen Rocky Mountains 6 Sasketchwan River-Jasper 1




Vom Sasketchwan River trampe ich aus den Bergen nach Rocky Mountain House, wo ich mich für die nächsten 15 Tage neu verpflege. Bevor ich dann wieder zu meiner eher kargen Trailkost zurückkehre, gönne ich mir noch ein typisch kanadisches Frühstück  mit Eiern, Bratkartoffeln, etc. für etwas mehr als 5 Euro!
Frisch gestärkt laufe ich aus dem nicht sehr schönen Ort und habe bald meinen ersten lift nach Nordegg gefunden.
Ich stehe nur wenige Minuten, als ein großer Pick- up hält. Bald stellt sich heraus, dass die beiden Insasssen Gary und Harlan Sioux Indianer sind. Nun sind die Sioux einer der berühmtesten Indianerstämme Amerikas, die in der Schlacht am Little Bighorn in Wyoming den Weißen die größte Niederlage beigebracht hatten. Ich weiß, dass ihr Häuptling Sitting Bull sich danach mit seinen Leuten nach Kanada zurück gezogen hatte, aber Gary und Harlan erzählen, dass ihr Teil des Stammes schon früher nach Kanada gezogen sei. Das Sasketchwan Tal mit den Kootenay Plains ist im Winter häufig schneefrei, wenn die Landschaft ringsum unter einer meterhohen weißen Last verschwindet, daher war das Tal ein Wilddorado, was die Sioux anzog. Offenbar konnten die hier zuvor ansässigen Kootenay sich nicht gegen die kriegerischen Sioux behaupten...
Die beiden Indianer trinken schon am frühen Morgen Bier, was mich nicht weiter stört, da es auf dem Highway 11 kaum Verkehr gibt...
Irgendwann bemerken sie, dass sie vergessen hatten, in Nordegg zu tanken, obwohl sie bereits bezahlt hatten! Kein Problem, wir fahren ein Stück zurück und der Tank wird voll gemacht!
Wir bringen Gary zu dem Reservat, wo etwa 250 Sioux leben und teilweise Pferde züchten. Harlan ist eigentlich LkW-Fahrer, hat jetzt aber einen Monat frei und nichts Besonderes vor, daher beschließt er netterweise spontan, mich zum Trailhead am Owen Creek zu bringen, wo ich meine Wanderung fortsetzen will.
Mein Fahrer erzählt, dass sein Großvater kein englisch gelernt hatte, da seine Familie zu weit im Busch lebte und er nie zur Schule gegangen war. Dafür gab er aber einiges an traditionellem Wissen an seinen Enkel weiter, unter anderem auch das Rezept für eine "Medizin". Eine Mixtur, die offenbar halluzinogene Wirkung hat, und es einem erlaubt, den eigenen Körper zu verlassen. Laut Harlan gut, wenn man Probleme hat...
Obwohl weder er noch sein Bruder so aussehen als würden sie sich noch viel in der Natur bewegen, kennen sie die Gegend von früheren Reitausflügen sehr gut. Dabei ging es meist zum Fischen oder Jagen. 
Eine eindrucksvolle Begegnung!
Zum Abschied möchte Harlan sich einmal meinen Rucksack aufsetzen...

Der Sioux Indianer Harlan

05.04.2019

Durch die kanadischen Rocky Mountains 5 Banff- Sasketchwan River



Auf dem nächsten Abschnitt nutze ich den Great Divide Trail überhaupt nicht und laufe statt dessen eine Route durch den Banff Nationalpark und die Siffleur Wilderness Area.
Kaum bin ich von der am Bow Valley Parkway gelegenen Fireside Picknick Area losgelaufen, sehe ich auch schon einen braun gefärbten Schwarzbären unmittelbar vor mir über den Weg laufen. Hier im tief gelegenen Bow Valley sind bereits die ersten Buffaloberries reif, daher ist es kein Wunder, dass ich den Bären antreffe. Etwas später sehe ich ihn ein weiteres Mal, es scheint, als ob auch er den Trail nutzt...

29.03.2019

Durch die kanadischen Rocky Mountains 4 Boulton Creek- Banff



Als ich am nächsten Morgen einen Parkplatz am Upper Kananaskis Lake erreiche, könnte ich fast denken, dass es mich nach Nepal verschlagen hat, da es hier einen Rundweg zum Gedenken an die kanadische Expedition zum Mount Everest im Jahr 1982 gibt!
Der See, dessen Uferlinie ich auf einem schönen Pfad für einige Kilometer folge, ist einfach fantastisch mit seinem stillen blauen Wasser vor der Kulisse majestätisch aufragender Berge und gleißender Gletscher.

                                                        Upper Kananaskis Lake

23.03.2019

Durch die kanadischen Rocky Mountains 3 Coleman- Boulton Creek



Am nächsten Morgen erhalte ich ein fantastisches Frühstück, was im Preis inbegriffen ist. Da die anderen Gäste wohl noch nicht wach sind, bleibt genügend Zeit für ein interessantes Gespräch mit Dawn, der Wirtin. Aufgrund der Nähe von Coleman zur US- Grenze, sind viele ihrer Kunden Amerikaner. Oberflächlich betrachtet, könnte man glauben, dass es kaum Unterschiede zwischen Kanadiern und US- Bürgern gibt. Dawn sieht das aber etwas anders und bringt es auf den Punkt: Die südlichen Nachbarn sind im Durchschnitt konservativer, patriotischer und religiöser als Kanadier!

13.03.2019

Durch die kanadischen Rocky Mountains 2 - Waterton Lakes- Coleman



                                                     Übersichtskarte des Great Divide Trail



Eigentlich ist es nicht mehr weit zum Frankfurter Flughafen, aber mein Zug steht in Bad Vilbel und steht, und steht...
Die Zeit verrinnt und ich sitze auf glühenden Kohlen, sollte der Zug, der offenbar von einer Baustelle gestoppt wird, nicht bald weiter fahren, würde ich meinen Flug verpassen!

06.03.2019

Durch die kanadischen Rocky Mountains 1 - Vor der Reise



Eigentlich hatte ich vor, im Sommer 2018 eine Tour in Alaska zu unternehmen. Dann erfuhr ich allerdings von Marie, meiner Tochter, kurz bevor ich aus Patagonien zurück kehrte, dass sie ein Semester in Kanada studieren würde! Sofort begann ich zu überlegen, wie ich einen Besuch bei ihr mit einer interessanten Wanderung verbinden könnte, und hatte schnell eine Idee...
Zum ersten Mal hatte ich die kanadischen Rocky Mountains bereits im November 1989 kennen gelernt, als ich nach einer langen militärischen Übung mit der britischen Armee noch 10 Tage zur freien Verfügung hatte. Als ich per Anhalter von Calgary in Richtung der abrupt aus der flachen Prärieebene aufsteigenden Mauer des Felsengebirges fuhr, war ich bereits schwer beeindruckt, und mir war klar, dass ich diese eindrucksvollen Berge intensiver erkunden möchte. Nun ist Anfang November dort bereits mehr oder weniger Winter, weshalb mein Aktionsradius etwas beschränkt war...
Im Jahr darauf kam ich wieder und lernte Teile der Nationalparks von Banff und Jasper kennen, allerdings nur auf wiederum recht kurzen Wanderungen, da ich auch noch eine Tour im nördlichen British Columbia geplant hatte.
Danach verging eine lange Zeit ohne weitere Besuche Kanadas. 
Erst als ich von der Wanderung meines guten Freundes Bernd in den kanadischen Rocky Mountains erfuhr, rückten diese fantastischen Berge wieder stärker in meine Aufmerksamkeit.
Gegen Bernd bin ich ein Anfänger was abenteuerliche Trekkingtouren angeht, daher weiss ich, dass wenn er von einer Gegend schwärmt, diese wirklich fantastisch ist!
So entstand schnell meine Idee von der US- Grenze dem Kamm der Rocky Mountains bis nach Jasper zu folgen, wo ich mich dann mit Marie treffen würde!
Was die Route angeht, hatte ich tolle Anregungen von Bernd erhalten, es gibt aber auch einen Weitwanderweg durch die südlichen kanadischen Rockies, den Great Divide Trail, dem ich über einen Großteil der Strecke folgen würde. 
Anfang Juli ist es dann soweit, ich fliege nach Calgary und das Abenteuer beginnt!